POLITIK
12/02/2016 08:36 CET | Aktualisiert 12/02/2016 10:14 CET

Eine Frau mit Burka und Kinderwagen steigt in Frankfurt in den Bus - dann passiert es

Getty

Es war eine unheimliche Szene, die sich kürzlich in einem Linienbus in Frankfurt abspielte. Eine Frau stand dort mit einem Kinderwagen. Ihr Mann saß auf einem Sitz ganz in der Nähe. Die Frau trug einen Gesichtsschleier. Die Augen waren mit einer Sonnenbrille verdeckt.

Beschrieben hat die Szene Uwe Schmitt, Journalist der Welt.

Eine Passagierin beginnt plötzlich, die andere Frau mit dem Schleier anzuschreien, zu beschimpfen: "Ich fühle mich unsicher mit dir, gerade in diesen Zeiten", sagt die Frau. Und weiter: "Ich sehe nicht einmal, ob du Mädchen oder Junge bist... Ich komme selber aus deinem Kulturkreis, ich weiß, wovon ich rede." Sie sagt auch: "Hier herrscht Gleichberechtigung, und das wird verdammt noch mal auch so bleiben!"

Das Gespenstische, wie Schmitt schreibt: Minutenlang tut sich im Bus überhaupt nichts. Niemand sagt etwas, niemand reagiert. Die Frau beschimpft das Paar mit dem Kinderwagen weiter. Erst nach langer Zeit meldet sich ein Mann und sagt der schimpfenden Frau, dass sie aufhören solle.

Der Vorfall wirft für den Autor Fragen auf:

"Wollten die Leute sich nur raushalten? Oder bedeutete ihr Schweigen Zustimmung zu einem Unbehagen, das auszudrücken sie nie gewagt hätten? Bestünden sie nicht auch am liebsten auf einer Gesichtskontrolle in der Öffentlichkeit, die ihnen vertraut ist?"

Der Autor ist sich sicher, dass das, was er in dem Bus beobachtet hat, ein Blick in die Zukunft Deutschlands ist: "Der fundamentale Streit zwischen frommen Muslimen und glaubensfernen Migranten aus muslimischen Ländern ist unter uns", schreibt er.

Und tatsächlich lässt sich dieser Konflikt besonders in der Flüchtlingskrise beobachten. Denn viele Menschen mit Migrationshintergrund stellen sich gegen die Flüchtlinge. Vor allem Russlanddeutsche schauen skeptisch auf die Neuankömmlinge. Wer mit Deutschen spricht, die ebenfalls aus der Türkei kommen, hört viel Skeptisches über die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel.

Auch die AfD erfreut sich zumindest teilweiser Unterstützung von konservativen Migranten.

Aber ob die Szene in dem Frankfurter Bus wirklich dafür spricht, dass Deutschland ein gefährlicher Konflikt zwischen strenggläubigen und säkularen Muslimen droht, ist fraglich. Denn so lange ein Streit mit Worten ausgetragen wird - und einigermaßen zivilisiert verläuft - ist das nicht unbedingt schlecht.

Denn die Demokratie lebt von Debatten - ja, und auch von Streit.

Das Problem in dem Bus ist eher: Niemand hat Lust, an diesen Debatten teilzunehmen. Alle halten den Mund und überlassen den lauten Schreiern das Feld - ob sie nun wütende Migranten sind oder wütende Pegida-Anhänger.

Nein, Konflikte und Debatten sind nicht schlimm - sie sind vielmehr zu wichtig, um sie einigen wenigen zu überlassen. Das betrifft auch die Vollverschleierung. Auch hier wird es Zeit für eine breite gesellschaftliche Debatte.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

"Am besten gleich in der Burka zur Party": Sat.1-Moderator sorgt mit Köln-Kommentar für riesige Aufregung