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11/02/2016 13:01 CET

Das steckt dahinter, wenn Kinder früh laufen und sprechen können

Kind lacht
Marc Romanelli via Getty Images
Kind lacht

Die Freude der Eltern ist unfassbar groß, wenn ihre Kinder die sogenannten Meilensteine erreichen. Wenn sie endlich anfangen, zu sprechen oder zu laufen.

Auf dem Spielplatz vergleichen Mutter und Vater ihr Kind dann mit den anderen – und sind verunsichert. Laura ist nur ein paar Tage älter, kann aber schon viel besser laufen, als das eigene Kind...

Hat ihr Kind später Nachteile, wenn sie noch nicht so viel können?

Studien legen nahe, dass sich dies durchaus auswirken könnte. Wissenschaftler der University of London analysierten mehr als 42 Studien, in denen motorische Fähigkeiten und Sprachversuche von Kindern ausgewertet wurden. Sie fanden heraus, dass Kinder, die früher gehen können, später auch besser sprachliche Fähigkeiten haben.

Das könnte damit zusammenhängen, dass Kinder die Welt um sie herum viel besser und eigenständiger erkunden können, wenn sie alleine laufen können. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren.

Ein etwas differenzierteres Ergebnis präsentierten die Forscher der University of Cambridge.

Sie werteten die Daten von 5.362 Kindern aus, die in Großbritannien geboren wurden. Ihr Ziel war es, herauszufinden, wie sich die Entwicklungsschritte als Kind auf das spätere Leben auswirken.

Ihr Ergebnis: Bei Kindern ohne Lernschwierigkeiten konnten die Wissenschaftler nur bei den Sprachfähigkeiten kleine Unterschiede zwischen Früh- und Spätzündern feststellen.

Sie fanden auch keine Hinweise darauf, dass Kinder die früh anfangen, zu gehen, später bessere motorische Fähigkeiten haben. Allerdings kann sich der frühe Vorsprung beim Erkunden der Welt auf zwei Beinen auf vielfältige Weise auf das spätere Leben des Kindes auswirken. Dies ist allerdings noch nicht hinreichend erforscht.

So proud to be your mommy❤️ just believe in yourself baby, you can do this! #firststeps #babywalk #almostoneyearold #proud

Ein von Valerie Broeder (@valeriebroeder) gepostetes Video am

Einen wichtigen Faktor in der Bewertung der Studien spielt die großzügige Definition von „normaler Entwicklungsgeschwindigkeit“. Wenn Kinder beispielsweise zwischen 8 und 18 Monaten ohne Hilfe gehen können, ist das innerhalb des Zeitrahmens, der als „normal“ gilt.

Darüber hinaus können Eltern wenig tun, wenn sich ihr Sprössling Zeit lässt. Sie können ihr Kind zwar stimulieren, erste Schritte alleine zu wagen – aber zwingen können sie es nicht. Kinder folgen eben nicht einem Plan sondern entwicklen sich sehr individuell.

Kinderarzt Remo H. Largo meinte bei „T-Online“ dazu: "Kinder sind nicht nur untereinander sehr verschieden, das einzelne Kind ist oftmals in sich unterschiedlich weit entwickelt, das heißt, die einzelnen Entwicklungsbereiche wie Sprache oder Motorik sind ungleich fortgeschritten."

Was besorgte Eltern aus diesen Studien entnehmen können, ist:

1. Die Zeitspanne, in der ein Entwicklungsschritt als „normal“ gilt, ist sehr großzügig gesetzt. Wenn das Kind mit 18 Monaten zu laufen beginnt, während andere schon ein halbes Jahr früher damit anfingen, heißt das nicht unbedingt, dass das Kind später Nachteile hat.

2. Wenn das Kind die Zeitspanne von 18 Monaten überschreitet, sollte man sich vom Kinderarzt beraten lassen. Denn auch das muss erst einmal nicht viel heißen – kann aber unter Umständen auf Probleme hindeuten. Denn die Studien zeigten, dass manche dieser Kinder später tatsächlich Lernschwierigkeiten hatten.

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