POLITIK
10/02/2016 14:22 CET | Aktualisiert 10/02/2016 17:03 CET

"Machtmensch Putin": So soll die ZDF-Doku über den Kreml-Chef manipuliert worden sein

Getty

Es waren schwere Anschuldigungen gegen das ZDF: Im Dezember hatte Russland dem Sender vorgeworfen, in einer Dokumentation über Wladimir Putin Szenen manipuliert zu haben.

Die Sendung "Machtmensch Putin" zitierte einen Gesprächspartner namens Jurij Labyskin (in der Sendung nur Igor genannt), der in die ZDF-Kamera sagte, er habe als Freiwilliger aufseiten der prorussischen Separatisten in der Ostukraine gekämpft.

Dies war zwar keine sensationelle Aussage, weil Moskau schon lange nicht mehr bestreitet, dass in der Ostukraine russische Staatsbürger als Freiwillige kämpfen. Doch der Manipulations-Vorwurf aus Russland wog schwer - auch wenn ZDF-Reporter Dietmar Schumann die Kritik aus Russland später "in aller Deutlichkeit" zurückwies.

Hinzu kam, dass der Kronzeuge aus der Dokumentation später im russischen Fernsehen sagte, er sei zu Falschaussagen verleitet worden. 50.000 Rubel habe er von Producer Walerij Bobkow, der Teile der Putin-Dokumentation für das ZDF gedreht hat, erhalten haben, behauptete er. Bobkow habe ihm die Aussagen aus dem ZDF-Interview diktiert.

Jetzt könnte der Fall eine neue Wendung nehmen. Eine Recherche des Medienmagazins "Journalist" legt nahe, dass die Manipulationsvorwürfe gegen das ZDF stimmen könnten.

"Wir gehen davon aus, dass der Hauptprotagonist des ZDF nicht in der Ostukraine gekämpft hat", sagte der Journalist Moritz Gathmann im Interview mit dem "Stern". Gathmann war zuvor in Russland auf Spurensuche. Es deute alles darauf hin, dass es sich bei der Figur "Igor" um eine Erfindung des ZDF-Producers Bobkow handelt, erklärte er.

Es gebe keinerlei Belege für den Einsatz des ZDF-Informanten im Donbass. "Es gibt niemanden in Donezk, der ihn dort gesehen hätte. Es gibt keine Bilder, die ihn vor seinem Dreh mit Bobkow in der Ostukraine zeigen würden. Man könnte natürlich sagen, er hat die Bilder gelöscht oder beseitigt. Aber das ZDF oder Bobkow müssten irgendwelche Bilder haben oder wenigstens gesehen haben, die seinen Einsatz belegen würden. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall."

Man könne zwar nicht mit endgültiger Sicherheit beweisen, dass Labyskin nicht im Donbass war, sagte Gathmanns Kollege Maxim Kireev. "Aber es lässt sich eben auch nicht belegen, dass er dort war."

Offenbar hat Labyskin im Vorfeld des Gesprächs für falsche Tatsachen gesorgt, mutmaßen die Journalisten im Gespräch mit dem "Stern". So habe er flüchtigen Bekannten tatsächlich erzählt, er habe im Donbass gekämpft, so Kireev. "Er erzählte, dass sogar ein Film über ihn gedreht werden soll. Um seinen Erzählungen Gewicht zu verleihen, präsentierte er Brandnarben. Doch wie alte Freunde von ihm erzählten, hat er sich die Brandnarben schon vor langer Zeit bei einem Unfall mit heißem Wasser zugezogen."

Gathmann berichtet von weiteren Ungereimtheiten, die zumindest Zweifel an "Igors" Aussagen in der ZDF-Dokumentation zulassen. "Im Dezember 2014 schmiss Labyskin bei sich zu Hause eine Geburtstagsparty. Das haben uns mehrere seiner Freunde bestätigt. Also zu der Zeit, wo er angeblich in Donezk im Schützengraben hockte", berichtet er.

Die beiden Journalisten hätten das ZDF mit ihren Recherchen konfrontiert, berichten sie. Dabei sei der Sender kooperativ gewesen. "Sie haben uns Zusatzmaterial zur Verfügung gestellt. Das ZDF hat auch ein Interesse daran, herauszufinden, von wem sie gelinkt worden sind. Sie wollen natürlich wissen, ob Bobkow sie reingelegt hat".

Die vermeintlichen Belege für den Einsatz Labyskins im Donbass, die das ZDF ihnen vorgelegt habe, könne man jedoch nicht ernst nehmen, sagte Gathmann. "Wir fanden das Material sehr wenig überzeugend."

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