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10/02/2016 15:13 CET | Aktualisiert 16/02/2016 05:59 CET

Dieses Unternehmen hat eine geniale Idee, um Flüchtlinge zu integrieren

Samonig
So leicht kann Integration sein: Die Samonig AG in Berlin macht es vor

Alle sprechen über Arbeit als Schlüssel für gelungene Integration von Migranten - eine Berliner Immobilienfirma handelt jetzt und geht einen Weg, der in Deutschland einmalig sein dürfte.

Das kleine Unternehmen Samonig hat nicht nur zwei Flüchtlinge eingestellt - es hat zudem zwei weitere Mitarbeiter zu 50 Prozent freigestellt, die sich jetzt in der übrigen Zeit um ein Branchen-Netzwerk für Flüchtlinge kümmern. Bei voller Bezahlung.

In kleineren Unternehmen ist laut Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) vor allem Letzteres die absolute Ausnahme. Und das nicht ohne Grund: Bisher gibt es laut BVMW kaum Anreize für Arbeitgeber, Mitarbeiter für ein Ehrenamt freizustellen.

Das hat mehrere Gründe: "Gerade, wenn man die Diskussion um das Teilzeit- und Befristungsgesetz, die Einführung einer regelmäßigen Teilzeit und den akuten Fachkräftemangel im Mittelstand berücksichtigt, dürfte es extrem schwierig werden, Arbeitgeber zu motivieren, ihre Beschäftigten von sich aus freizustellen", erklärte ein Sprecher des BVMW dem Deutschlandfunk.

"Win-Win-Situation für alle"

Auch für Personalchefin Sabine Samonig war der Schritt zunächst nicht leicht, verrät sie uns im Telefoninterview. Vorbilder gibt es kaum, staatliche Unterstützung keine – und durch das Pilotprojekt fällt nun die Arbeitskraft von zwei Mitarbeitern im Hauptbetrieb ihres Immobiliengeschäfts zumindest teilweise weg.

Trotzdem bezeichnet die Unternehmerin das Projekt bisher als klare "Win-Win"-Situation für alle Beteiligten. Die beiden jungen Geflüchteten, die Samonig eingestellt hat, werden so leichter in den deutschen Arbeitsmarkt integriert. In Seminaren lernen die Flüchtlinge aus dem Netzwerk des Unternehmens zudem wichtige Fakten über die Branche und den deutschen Arbeitsmarkt.

Samonig unterstreicht aber auch einen Vorteil für die Unternehmensseite: "Die Flüchtlinge lernen nicht nur unheimlich schnell, sondern bringen auch ganz neue Ideen ein", sagt die Unternehmerin im Gespräch mit der "Huffington Post".

Aber auch das Arbeitsklima profitiere ungemein von dem Projekt. "Alle haben Lust darauf, gemeinsam etwas zu schaffen", sagt Samonig. Und sie ist sich sicher: Langfristig wirkt sich dieses offene Klima auch wirtschaftlich positiv aus.

"Die deutsche Wirtschaft kann die Integration stemmen"

Sie geht sogar noch weiter. Ihre Mitarbeiter haben errechnet, dass die deutsche Wirtschaft eine realistische Chance hat, die Integration der Flüchtlinge zu meistern:

"Wenn die rund 1,8 Millionen kleinen und mittleren Betriebe jeweils alle nur einen Flüchtling einstellen, dann hätten wir ein Problem weniger", erklärt sie im Interview. Und Arbeit heißt Integration, weiß Samonig aus eigener Erfahrung.

Doch was müsste passieren, damit andere Unternehmen dem Samonig-Modell folgen? Auch darüber hat sich die Unternehmensgründerin Gedanken gemacht. Im Moment sieht sie bürokratische Hürden als größtes Problem.

"In kleinen und mittleren Betrieben hat jeder Mitarbeiter extrem viel zu tun". Einen Flüchtling einzustellen sei mit sehr viel Recherche und Papierarbeit verbunden, oft fehle auch eine zentrale Ansprechperson.

"Wir brauchen geförderte Lotsen"

Viel wichtiger als direkte finanzielle Zuschüsse vom Staat wäre ihrer Meinung nach deshalb organisatorische Unterstützung: "Es bräuchte so etwas wie einen 'geförderten Lotsen'", meint Samonig. "Also einen Spezialisten, der eine Schaltstelle zwischen Arbeitsamt und Betrieben bildet und den Unternehmen mit den bürokratischen Hürden und der Vermittlung von Geflüchteten hilft".

Sie kenne viele andere kleine Betriebe, die zwar gerne helfen würden, aber von der damit verbunden Bürokratie abgeschreckt würden. Trotzdem hofft sie durch ihr Projekt andere Unternehmen für die Flüchtlingshilfe zu begeistern.

In Zukunft will sie über das Netzwerk, das ihre Mitarbeiter aufbauen, ausgebildete und an der Branche interessierte Flüchtlinge auch mit anderen Geschäftsführern zusammenbringen - und sie von ihrem "Win-Win"-Konzept überzeugen.

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