POLITIK
09/02/2016 03:24 CET | Aktualisiert 09/02/2016 03:37 CET

Religionsforscher: Pegida ist einer der Hauptgründe für Terrorakte von Islamisten

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Religiöse Fanatiker mit Bombengürtel um den Bauch, Koran in der Hand und der Hoffnung auf 72 Jungfrauen im Kopf: So stellt man sich in Deutschland den üblichen islamistischen Fanatiker vor, der im Dienste des Dschihad Anschläge ausführt. Doch dieses Bild ist nicht nur falsch - es lenkt auch von den tatsächlichen Ursachen ab.

"Von den Selbstmordattentätern, deren Mission scheiterte, erwähnte in Verhören fast keiner irgendwelche Jungfrauen oder die Aussicht auf eine Belohnung nach dem Tod", sagt der US-Religionsforscher Reza Aslan dem Magazin "Playboy". Religion sei kaum ein Thema - eher sähen sie sich als Kämpfer für die Rechte einer unterdrückten Masse.

Animation zeigt alle Terror-Anschläge weltweit der letzten 15 Jahre

Dass es dazu kommt, liegt nach Ansicht von Aslan auch an Bewegungen wie der deutschen Pegida. Er beobachte, dass sich in Europa "ultranationalistische, sogar neonazistische Gruppen" bildeten, "die alle Probleme den Einwanderern und dem Multikulturalismus anlasten". Zu diesen gehöre auch die britische Ukip-Partei.

Diese Gruppen seien mitverantwortlich für das Erstarken des Dschihadismus in Europa. Denn angesichts der massiven Intoleranz wüchsen "identitätslose Jugendliche heran, die sich von den Bürgern des eigenen Landes verfolgt fühlen".

Auch die Politik trägt Schuld am Islamismus

Schlimmer noch: Die Wurzeln der radikalislamischen Bewegung liegen nach Ansicht des Forschers in einer verfehlten EU-Politik. Einwanderer aus Nordafrika und dem Nahen Osten hätten in der Europäischen Union "kaum Gelegenheit, sich in die Gesellschaft zu integrieren. In vielen Fällen erhielten sie nicht einmal die Staatsbürgerschaft. Diese Leute fühlen sich weder Europa noch dem Nahen Osten zugehörig", sagt Aslan.

In der Folge suchten sich die jungen Menschen eine Gemeinschaft, die unabhängig von Staatsgrenzen funktioniert: den Islam. Verführerisch seien die Botschaften von Gotteskriegern, die die Heimatlosen in die radikalstmögliche Ausformung der Religion hineinziehen. Dort würden sie dann gegen westliche Bürger ausgespielt: Sie glaubten, "es ist ihre Pflicht, bei der Verteidigung des Islams zu helfen".

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