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09/02/2016 18:26 CET | Aktualisiert 19/02/2016 05:29 CET

7 traurige Fakten über das Zugunglück von Bad Aibling

7 traurige Fakten über das Zugunglück von Bad Aibling
dpa
7 traurige Fakten über das Zugunglück von Bad Aibling

Grotesk verbogenes Metall. Menschen in Schutzkleidung. Kahle Bäume, Wiesen, der Mangfall-Kanal. Und über alledem: erst Schreie, später Stille, die von Hubschrauberknattern durchschnitten wird.

Es sind schreckliche Szenen bei Bad Aibling in Oberbayern, an der Zugstrecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim.

Hier die sieben wichtigsten Fakten im Überblick.

Was genau ist passiert?

Am Dienstagmorgen gegen 6.45 Uhr rasen auf der eingleisigen Bahnstrecke zwischen dem Fluss Mangfall und dem Klärwerk von Bad Aibling zwei Züge frontal aufeinander zu, knallen zusammen. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegenkommende bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn auf.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt sagt später, die Züge würden an dieser Stelle normalerweise 100 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Und seien vermutlich nahezu ungebremst aufeinandergeprallt.

1. Wie viele Opfer gibt es?

Zehn Menschen starben, 18 wurden schwer verletzt, 63 leicht. Unter den Toten sind auch die beiden Lokführer und die beiden Zugbegleiter.

2. Wie viele Helfer waren im Einsatz?

Mehr als 600 aus Deutschland und auch aus Österreich. Neben den freiwilligen Feuerwehren, Rettungssanitätern und Polizisten waren auch Berg- und Wasserwacht im Einsatz.

3. Wie konnte das passieren?

Offiziell haben Polizei und die zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein dazu keine Auskunft gegeben.

Karl-Dieter Bodack, ehemaliger Entwicklungsingenieur der Deutschen Bahn, sagte im Gespräch mit der Huffington Post, er halte es für am wahrscheinlichsten, dass ein Bahnmitarbeiter Sicherungssysteme außer Kraft gesetzt habe. Ein reines menschliches Versehen nämlich würden die automatischen Sicherungen abfangen, bevor es zur Katastrophe kommt.

Dazu würde passen, was diverse Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichten: Es habe sich um menschliches Versagen gehandelt. Auch die Agentur dpa berichtet das unter Berufung auf eine nicht näher genannte zuverlässige Quelle. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland hat ein Fahrdienstleiter versucht, den Zug „quasi von Hand durchzuwinken“ und dazu das Signalsystem außer Kraft gesetzt.

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk dementierte die Polizei das. "Das sind reine Spekulationen, werfen Sie das weg, das weisen wir zurück".

4. Wer hat den Zug betrieben?

Die Züge fahren unter dem Markennamen Meridian. Meridian wird von der Bayerischen Oberlandbahn betrieben, die zum französischen Konzern Transdev gehört.

Meridian bedient seit 2013 drei Strecken in Bayern: von München nach Salzburg, Kufstein und Rosenheim.

Die Gleise wiederum werden von der Deutschen Bahn kontrolliert.

5. Wie ist die Strecke gesichert?

Bis Tempo 160 wird die „Punktförmige Zugbeeinflussung“ (PZB) eingesetzt. Installiert ist sie nach Angaben der Deutschen Bahn auch auf der Unglücksstrecke.

Bei dem PZB-System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett - diese sind mit einem Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt.

Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an.

Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.

Wie ein Experte dem Bayerischen Rundfunk sagte, kann ein Lokführer mit dem Drücken der Taste weiterfahren und damit das automatische Bremsen verhindern. Allerdings gehe das nur, wenn er über Funk vom Fahrdienstleiter im Stellwerk die Erlaubnis bekomme. Den Recherchen nach kann der Lokführer auch ohne diese Erlaubnis weiterfahren, aber nur ganz langsam.

6. Gab es bereits vorher Probleme?

Die Strecke ist nach Angaben der Bahn erst in der vergangenen Woche technisch überprüft worden. Dabei habe es keine Probleme gegeben, sagte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) für Bayern, Klaus-Dieter Josel, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bad Aibling.

Meridian hatte immer wieder mit technischen Problemen gekämpft. Erst vor wenigen Tagen berichtete die Regionalzeitung „Merkur“, dass der Betreiber eine zusätzliche Werkstatt für die Züge einrichten wolle, weil es so viele technische Störfälle gebe. Welcher Art die Störungen waren, geht aus den Berichten nicht hervor

7. Was kann bei den Ermittlungen helfen?

Die Züge verfügen über Fahrtenschreiber, ähnlich den Blackboxen beim Flugzeug. Sie zeichnen unter anderem die Geschwindigkeit und automatische Bremsungen auf. Die Boxen wurden bereits gefunden.

Mit Material von dpa

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