WIRTSCHAFT
08/02/2016 15:28 CET | Aktualisiert 08/02/2016 16:45 CET

Verpackungsfreie Supermärkte: So könnt ihr nachhaltig einkaufen

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(GERMANY OUT) Feature Pakete / Shopping (Photo by wolterfoto/ullstein bild via Getty Images)

Stell dir vor, alles ist einfacher. Du musst die Chipstüte nicht mehr aufreißen, denn die Knabbereien hast du im Laden in deiner Brotzeitdose verpackt, du musst dich nicht durch zwei Schichten Papier und Folie quälen, um an die Tiefkühlpizza zu gelangen und die Cola hast du im Laden in deine mitgebrachte Glasflasche umgefüllt.

Precyclcing ist Recycling für Faule

Klingt super? Dann probier's doch mal mit Precycling, sozusagen präventives Recycling, Recycling für Faule. Du kannst dir quasi die Mülltrennung sparen, denn mit dem nachhaltigen Einkauf hast du das Recycling inklusive.

Der Einkaufstrend, der seit vorletztem Jahr in Deutschland um sich greift sind verpackungsfreie Supermärkte.

Das Konzept ist einfach: Kunden bringen ihre eigenen Dosen, Gläser und Flaschen mit und kaufen die lose Ware direkt im Laden. Müsli, Nudeln und Waschmittel liegen aber natürlich nicht einfach so unverpackt im Regal. Sie lagern in großen Behältnissen, aus denen sich der Einkäufer selbst die gebrauchte Menge abfüllt.

Pionier auf dem Gebiet der Verpackungsfreiheit war die Einzelhandelskette Bulk Barn, die 1982 in Kanada gegründet wurde und mittlerweile mehr als 200 Verkaufsfilialen eröffnet hat. Im Jahr 2007 eröffnete das erste Geschäft mit unverpackten Produkten in London mit dem Namen "unpackaged".

Seit 2014 auch in Deutschland

2014 eröffneten die ersten Geschäfte dieser Art in Deutschland, zunächst in Kiel, Bonn und Berlin. In der Hauptstadt wurde mit einer großen Crowdfunding-Aktion das Geschäft „Original Unverpackt“ im Herbst 2014 eröffnet. Dort gibt es 350 verschiedene Produkte. Darunter befinden sich neben Obst und Gemüse Marmeladen, Säfte, Bier, Spirituosen, Kosmetik sowie Bohnen, Reis und Gewürze.

Mittlerweile gibt es auch in einer Reihe anderer Städte wie München oder Münster solche Geschäfte.

Wesentlich billiger ist das Einkaufen in den Tante-Emma-Gedächtnis-Läden aber nicht, auch wenn der Kunde hier nicht für aufwendig designte Verpackung bezahlt. In der Regel bedeutet diese Art von Supermarkt mehr Arbeit für Einzelhändler, denn er muss penibel auf die Reinigung der Behälter und das Haltbarkeitsdatum achten.

Jeder Deutsche produziert jährlich 32 Kilo Plastikmüll

Man eben für ein reines Gewissen auch mehr Geld bezahlen: Jedes Jahr landen bis zu 26 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer. Jeder deutsche Verbraucher produziert im Durchschnitt 32 Kilo Plastikmüll im Jahr, 72 Kilo Papier und 24 Kilo Glas.

Einem Artikel der "Welt" zufolge verdient die deutsche Verpackungsindustrie zudem kräftig an der Umweltverschmutzung. 2013 haben deren Hersteller zusammengerechnet 32 Milliarden Euro erwirtschaftet und 19,1 Tonnen Verpackungen produziert. Mit der Etablierung der verpackungsfreien Supermärkten besteht die Hoffnung, Druck auf große Konzerne auszuüben, die Verpackung wenigstens zu überdenken.

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