POLITIK
08/02/2016 08:44 CET | Aktualisiert 08/02/2016 14:14 CET

Islam-Experte erklärt, wie Erdogan deutsche Moscheen unterwandert

Die Kanzlerin trifft in Ankara auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan
dpa
Die Kanzlerin trifft in Ankara auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan

Wieder einmal ist die Kanzlerin nach Ankara gereist. Lächelnd wird sie sich am Nachmittag neben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan präsentieren. Zuletzt war Angela Merkel im Oktober in der Türkei. Nur wenige Monate später an einem Montag Anfang Februar ist sie zurück.

Die Kanzlerin kommt einmal mehr als Bittstellerin. Sie will über die Flüchtlingskrise sprechen. Die Türkei hat in Merkels Augen eine Schlüsselrolle: Von Erdogans Engagement etwa in Sachen Grenzschutz hängt es mit ab, wie groß die Flüchtlingswelle ist, die in diesem Jahr auf Deutschland trifft.

Doch die Flüchtlingskrise ist nicht die einzige sensible Stelle, an der Erdogan Einfluss nimmt auf Deutschland. Islam-Experte Ralph Ghadban erklärt der Huffington Post: „Erdogan ist mitverantwortlich dafür, dass immer mehr Moscheen in Deutschland anti-westlich eingestellt sind.“

Grund dafür sind die Strukturen, denen Moscheen in Deutschland unterliegen. In der Bundesrepublik gibt es vier Trägerverbände: Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), den Zentralrat der Muslime, den Islamrat und den Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ).

„DITIB gehört praktisch dem türkisch-staatlichen Verband DIYANET an“, sagt Ghadban. „Dieser untersteht dem Premierminister des türkischen Präsidenten Erdogan“, so der Experte. „Erdogan zeigt immer mehr sein Gesicht als Islamist.“

Weil die Verbände die Imame in die deutschen Moscheen holen, haben sie einen großen Einfluss auf das, was dort gelehrt wird. In der Vergangenheit habe DITIB eigentlich als „pro-westlich und liberal“ gegolten, erklärt Ghadban.

„Seit Erdogan im Amt ist wird der Verband immer islamistischer“, so der Experte.

Im Alltag äußert sich das vor allem in den Predigten der Imame: „Der Islam, den Erdogan für richtig hält, sieht eine strenge Geschlechtertrennung vor. Die Imame, die Erdogan über DIYANET nach Deutschland schickt, wollen beispielsweise, dass Frauen Kopftücher tragen. Auch sind sie gegen Sexualkunde an Schulen oder gemeinsamen Schwimmunterricht.“

Ghadban, der selbst regelmäßig in die Moschee geht, erklärt: „Die Imame, die in DITIB-Moscheen nach Deutschland kommen, haben in der Regel vorher noch nie im Westen gelebt. Sie akzeptieren die Menschenrechte nicht, sondern sehen die Scharia als höchstes Gesetz an.“

Auf gläubige Muslime hätten Imame einen großen Einfluss: „Sie befolgen seine Ratschläge und leben ihr Leben wie er es in seinen Predigten vorgibt“, so Ghadban und macht deutlich: „Imame sind das Haupthindernis bei der Integration von Muslimen in Deutschland.“

Die Bundesregierung verhalte sich falsch, kritisiert Ghadban, der Mitglied der ersten Islamkonferenz war. „Sie versucht die Islamischen Verbände, die sich im Koordinierungsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossen haben als Ansprechpartner und Religionsgemeinschaften aufzubauen. Diese Funktion erfüllt jedoch die Islamkonferenz.“

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