POLITIK
07/02/2016 15:43 CET | Aktualisiert 07/02/2016 16:23 CET

Bis zu 22 Milliarden Euro: So läuft das Geschäft mit Flüchtlingen

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Es ist eine gewaltige Zahl. Mehr als eine Millionen Flüchtlinge kamen 2015 nach Deutschland. Wie gewaltig sie ist, lässt sich am besten so verdeutlichen: Deutschland ist um eine Millionenstadt reicher, es fehlt aber an allem: Wohnraum, Ärzten, Lehrern, Infrastruktur.

In größter Not versuchen Städte, Länder und Kommunen, diesen Bedarf schnellstmöglich zu decken. Das bedeutet vor allem ein gutes Geschäft für jene, die das haben, was gebraucht wird.

Es geht je nach Schätzung um zwischen 12 (Deutsche Bank) und 22 Milliarden Euro (IW Köln), die die öffentliche Hand zusätzlich ausgeben muss. Wir zeigen an fünf Beispielen, wer nun alles mitverdient.

1. Hotels

Vor knapp einer Woche erreichte Deutschland eine Sensationsmeldung aus Berlin. Die Hauptstadt verhandle mit der Hotelkette Grand City Hotels, um 10.000 Betten für Flüchtlinge anzumieten. Über den Fall berichtete zuerst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Pro Nacht und Platz verlange die Kette 50 Euro. Das klingt auf den ersten Blick nicht viel, summiert sich aber über mehrere Jahre zu einem Paket von mindestens 600 Millionen Euro. Erstaufnahme- und Gemeinschaftseinrichtungen sind deutlich günstiger – hier geht es um zehn Euro pro Tag.

Der Hotelbranche kommt die Taktik des Senats durchaus gelegen. 10.000 Betten weniger, das sei durchaus für den Tourismus verkraftbar, heißt es beim Berliner Hotel- und Gaststättenverband. Außerdem gibt es keine Leerstände, keine Zahlungsausfälle, keine Werbekosten.

2. Sprachkurse

Die Ausgaben des Bundes Sprachkurse sollen sich 2016 nahezu verdoppeln – von 269 Millionen Euro 2015 auf 559 Millionen Euro. Das geht aus Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor.

Das Geld landet vor allem bei den Volkshochschulen, wo Sprachlehrer einen Lohn von mindestens 23 Euro erhalten, heißt es in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

3. Verpflegung

In den Flüchtlingsunterkünften kann meist nicht selbst gekocht werden. Das Essen kommt von Caterern wie etwa apetito. Der Kantinenkost-Hersteller probiert derzeit in seinen Küchen neue Rezepte aus, um bei der Vielzahl der Bestellungen aus Flüchtlingsunterkünften auch den Geschmack der Bewohner zu treffen. „Aktuell sind wir dabei, neue Gerichte zu entwickeln, die sich speziell auf die Bedürfnisse der Menschen in den Asylbewerberunterkünften ausrichten“, zitiert die Deutsche Presseagentur einen Unternehmenssprecher.

Neben anderen Gewürzen wie Kurkuma und Koriander geht es bei den Gerichten für die Flüchtlinge auch um das Fleisch. „Die Betreiber der Einrichtungen, die die Mahlzeiten bestellen, achten insbesondere darauf, dass die Gerichte kein Schweinefleisch enthalten“, heißt es. Derzeit beliefert apetito mit Sitz in Rheine bei Düsseldorf rund 80 Flüchtlingsunterkünfte, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen.

4. Fahrschulen

Führerscheine aus Syrien, Irak und Afghanistan werden hierzulande nicht anerkannt. Die Inhaber müssen sich in Deutschland erneut prüfen lassen. Die Fahrschulen rechnen daher mit vielen neuen Kunden. Deutschlands Fahrschulen mit ihren rund 25.000 hauptberuflichen und etwa 10.000 nebenberuflichen Fahrlehrern wollten den Flüchtlingen im Übrigen auch über das Fahrtraining hinaus helfen, sagt der Sprecher Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Gerhard von Bressensdorf.

„Unser Verband hat allen Fahrschulen empfohlen, wo es möglich ist, Räume für Deutschkurse zur Verfügung zu stellen.“ Auch Infomaterial zum Straßenverkehr in mehreren Sprachen wollen die Fahrlehrer verteilen. „Damit sollen auch Fußgänger und Radfahrer über den Verkehr in Deutschland informiert werden.“

5. Wohnungsbauer und Handwerk

Die Bundesarchitektenkammer ging schon Ende 2015 davon aus, dass es 400.000 Wohnungen braucht, um Flüchtlinge unterzubringen. Davon profitieren etwa Dachdecker, Maurer und Sanitärhersteller.

Ihnen ging es schon vor der Füchtlingskrise durch die niedrigen Kredite ziemlich gut – jetzt füllen sich ihre Auftragsbücher noch stärker. Gerade in Ballungsräumen wie München führt die Kombination aus dem regen Wohnungsbau und den Flüchtlingsunterkünften zu Engpässen.

Mit Material von dpa

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