POLITIK
06/02/2016 13:13 CET | Aktualisiert 06/02/2016 13:34 CET

Rechtspopulisten wollen "Festung Europa" - Ausschreitungen bei Pegida-Demonstrationen in ganz Europa

dpa

Es ist eine gute Nachricht: Deutlich weniger Anhänger von Pegida und anderen islamfeindlichen Bündnissen als erwartet haben in Dresden und weiteren europäischen Städten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert. An der zentralen Veranstaltung in der sächsischen Hauptstadt nahmen am Samstag nach Angaben der Forschungsgruppe "Durchgezählt" rund 8000 Menschen teil.

Die schlechte Nachricht ist: Bei den Demonstrationen kam es immer wieder zu Ausschreitungen, vor allem von Rechtsextremisten.

In Dresden gab es bei der Demonstration immer wieder "Merkel muss weg"-Rufe. Der Hauptredner und Mitbegründer der Bewegung, Lutz Bachmann, fiel wegen Krankheit aus. Zudem war eine Gegendemonstration wesentlich lautstärker. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

In Prag gab es bei einer mit Pegida abgestimmten islamfeindlichen Kundgebung Zusammenstöße mit Gegendemonstranten (siehe Tweet oben). Es flogen Flaschen und Feuerwerkskörper. Rund 1500 Islamgegner versammelten sich mit Spruchbändern wie "Nein zur Einwanderung - Stopp der Merkelisierung" vor der Prager Burg.

Selbst in Australien demonstriert Pegida

Selbst im australischen Canberra gingen etwa 400 Islamfeinde auf die Straße und skandierten: "Wir lieben Schweinefleisch" und "Wer zum Teufel ist Allah?". Die Demonstranten trugen Banner mit Aufschriften wie "Rapefugees not welcome" und "Der Islam ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Anlässlich eines gemeinsamen Aktionstages unter dem Motto "Festung Europa" versammelten sich auch im französischen Calais trotz eines Demonstrationsverbots etwa 100 Demonstranten. Einige von ihnen wurden festgenommen. Es kam zu Ausschreitungen:

calais

Französische Polizisten nehmen in Calais Rechtsextremisten in Gewahrsam

In Dresden kamen Liveschaltungen zu Kundgebungen nach Bratislava und Prag wegen technischer Probleme nicht zustande. Stattdessen gab es Einspielfilme rechter Bündnisse aus der Slowakei, Ungarn, den Niederlanden und Estland. "Schämen sie sich, Kanzlerin Merkel", hieß es darin unter anderem.

Durch die Einladung "massenhaft nicht integrierbarer oder unwilliger" Flüchtlinge stelle sie eine "Gefahr für die Freiheit und die Sicherheit Europas" dar. Martin Sellner von der rechten Identitären Bewegung in Österreich sagte auf der Pegida-Bühne, er hoffe, dass Merkel auf ihrem Weg in den wohlverdienten Ruhestand "faule Tomaten" hinterhergeworfen würden.

Am Rande der Demo in Dresden kam es am frühen Abend aus zu kleineren Ausschreitungen, wie in diesem Video zu sehen ist:

Tillich fordert striktes Durchgreifen gegen Pegida

In Warschau rief Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling auf einer Kundgebung polnischer Nationalisten zum europäischen Schulterschluss gegen eine islamische Einwanderung auf. Vor einigen Hundert Teilnehmern, darunter Skinheads und militante Fußballfans, erinnerte sie an den Kampf von "Polen und Litauern, Sachsen und Österreichern" bei der Verteidigung Wiens gegen die Türken im 17. Jahrhundert.

Damals habe das Heer des polnischen Königs das christliche Abendland gerettet. Nun gelte: "Lasst uns gemeinsam die Schlacht gegen die Islamisierung führen." Auch in Dublin demonstrierten Pegida-Anhänger, die Polizei setzte laut Augenzeugen Schlagstöcke ein. In Amsterdam sagte der Bürgermeister die Pegida-Demonstration ab, nachdem es zu Krawallen mit Gegendemonstranten gekommen war.

amsterdam

Auseinandersetzungen im Umfeld der Pegida-Demonstration in Amsterdam

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping warf Pegida vor, rassistischer Gewalt den Boden zu bereiten. Pegida stehe für die Aufkündigung von Empathie und Mitmenschlichkeit, sagte sie bei einer Demonstration unter dem Motto "Grenzenlose Solidarität" mit Hunderten Teilnehmern in Dresden. "Außerdem hat Pegida ein Klima befeuert, in dem die Hemmschwelle für rassistische Gewalt stark nach unten gegangen ist."

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) forderte ein striktes Durchgreifen gegen Pegida. "Da ist jetzt zunehmend die Staatsanwaltschaft gefragt", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schon seit dem Vormittag hatte es in Dresden zahlreiche Gegendemonstrationen gegeben. Aufgerufen hatten Glaubensgemeinschaften, Bündnisse, Parteien und Gewerkschaften.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Drohvideo von Pegida aufgetaucht: Münchens Bürgermeister Dieter Reiter mit Tod bedroht