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05/02/2016 13:05 CET | Aktualisiert 05/02/2016 13:42 CET

WM-Affäre: DFB geht gegen Beckenbauer und die Fifa vor

Der DFB hat nach Informationen von SZ, NDR und WDR ein außergerichtliches Verfahren gegen die Fifa und die gesamte einstige Spitze des Organisationskomitees (OK) der WM 2006 eingeleitet - also auch gegen den damaligen Komiteeleiter Franz Beckenbauer.

Der DFB hatte sich die Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) in Hamburg eingeschaltet und dort einen Antrag auf die "Einleitung eines Güteverfahrens" gestellt - gegen die eigene ehemalige Spitze. Auf Anfrage der Medien sprach der DFB von "notwendigen Vorkehrungen".

Der Grund: Der Fußballbund will mögliche Schadensersatzansprüche nicht verjähren lassen. Diese verfallen oft nach 10 Jahren, also 2016. Deshalb war schnelles Handeln angesagt. Schon kurz vor Silvester wendete sich der DFB laut Information der "Süddeutschen", des NDR und WDR an die ÖRA. In Expertenkreisen gilt so ein Verfahren als sehr preiswerte und einfache Möglichkeit, um Verjährungen von Schadensersatz zu verhindert.

Bei den Ansprüchen soll es sich um mindestens 6,7 Millionen Euro handeln - also genau den Betrag, der vor der Weltmeisterschaft in Deutschland mithilfe vom damaligen Adidas-Chef Louis-Dreyfus vermutlich in einer schwarzen Kasse der Fifa transferiert wurde.

Dieses Güteverfahren ist das Ergebnis von monatelangen Recherchen der Kanzlei Freshfields, die der DFB in Auftrag gegeben hatte. Wegen Steuerhinterziehung ermittelt auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen das Komitee.

Neben Beckenbauer als OK-Leiter richtet sich das Verfahren auch gegen seine damaligen Vizechefs Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und den ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie den Fedor Radmann, einen Vertrauten Beckenbauers, der von der Affäre gewusst haben soll. Dreyfus ist mittlerweile verstorben, weshalb nun sein Testamentsvollstrecker in die Anklage eingeschlossen ist.

Für den DFB steht viel auf dem Spiel: Wenn ihm wegen der WM-Affäre die Gemeinnützigkeit für das betreffende Jahr aberkannt wird, könnte der Schaden noch weit höher liegen als der abgezweigte Betrag. Geschätzt wird die Summe auf 25 Millionen Euro.

Trotzdem heißt es aus den Kreisen des ehemaligen Organisationskomitees, dass es angenehmere Lösungen gegeben hätte, als in dieser Weise gegen die eigenen Leute vorzugehen. Eine Möglichkeit wäre eine einfache Erklärung aller Beteiligten, mit der eine Verjährung verhindert werden könnte.

Das Problem ist für viele der ehemaligen Funktionäre, dass der DFB eigentlich möglichst unauffällig handeln wollte, sich das Vorgehen aber intern herumgesprochen habe. Das Ziel des DFB, auf Zeit zu spielen und auf Kooperation und Aufklärung der Verantwortlichen zu hoffen, könnte damit verwirkt sein.