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02/02/2016 05:06 CET | Aktualisiert 12/04/2016 16:13 CEST

Glück und Unglück, Pentagramm und Talisman – was bedeuten sie?

Glück und Unglück – zwei Seiten eines Amuletts
Nicolette Neish via Getty Images
Glück und Unglück – zwei Seiten eines Amuletts

Glück und Unglück gehen Hand in Hand. Eines der bekanntesten Symbole auf Amuletten oder Talismanen ist das Pentagramm. Während der fünfzackige Stern mit der Spitze nach oben Gutes und Heil bringen soll, vermag er in umgekehrter Richtung das Gegenteil zu bewirken.

Auch andere Glücksbringer verweisen auf dieses Phänomen. Ein Hufeisen gehört richtig herum aufgehangen, ein vierblättriges Kleeblatt darf nicht gezüchtet sein und die schwarze Katze sollte nicht von links daher kommen: was Glück bringt, kann schon durch eine kleine Änderung zu Schaden führen. Warum ist das so?

Pentagramm als besondere geometrische Figur

Mathematisch gesehen ist das Pentagramm eine geometrische Figur mit exakt definierbaren Besonderheiten. Konstruieren lässt es sich mit Hilfe eines Kreises.

Auf ihm verteilt man fünf Punkte in gleichmäßigen Abstand. Verbunden durch fünf Linien ergibt sich ein regelmäßiges Fünfeck. Verbindet man dann die gegenüberliegenden Punkte des Fünfecks miteinander, ergibt sich aus diesen fünf Linien das sternförmige Pentagramm mit den fünf spitzen Ecken. Seinen Namen erhält es durch seine mathematische Beschreibung: Die Bezeichnung Pentagramm stammt vom altgriechischen pentagrammos, was übersetzt bedeutet 'mit fünf Linien'.

Besonders ist diese Figur durch die vorhandenen Regelmäßigkeiten: fünf gleiche Winkel, fünf gleichschenklige Dreiecke und das alles in einem Fünfeck mit fünf gleichen Winkeln und gleichlangen Seiten. Alle Seiten und Seitenteile des Pentagramms sowie des inneren und äußeren Fünfecks weisen nur vier verschiedene Längen auf, die im goldenen Schnitt aufeinander folgen. Das ist ein Teilungsverhältnis, dem schon seit der Antike eine besondere ästhetische Wirkung nachgesagt wird. Deswegen ist es auch als proportio divina, 'göttliches Verhältnis', bekannt.

Pentagramm als Symbol

Aufgrund der beschriebenen mathematischen Eigenschaften wurde das Pentagramm schon bei den Pythagoreern zum zentralen, sogar universalen Symbol. Im sechsten Jahrhundert vor Christus war Pythagoras, die Gründerfigur der Schule, der Ansicht, dass die darin enthaltenen Zahlenverhältnisse und Proportionen sich auf die ganze Schöpfung übertragen lassen.

Das Pentagramm als Repräsentant für universale Schönheit und Harmonie wurde somit zum Symbol für geistige Wahrheit. Es diente deswegen den Pythagoreern auch als geheimes Erkennungszeichen. Und da geistige Wahrheit stets in Verbindung mit einem Vermögen zu ihr gedacht wird, stand das Pentagramm auch für Gesundheit.

Die mathematische Regelmäßigkeit und die frühe Verwendung als Symbol führt zu einer unglaublichen Wirkungsgeschichte des Pentagramms. Es steht für göttliche Wahrheit der fünf Bücher Mose im Judentum. Den Christen diente es als Symbol der fünf Wunden Christi, denen das Heil der Welt entströmt. Im europäischen Rittertum präsentiert es die fünf ritterlichen Tugenden Edelmut, Höflichkeit, Reinheit, Tapferkeit und Frömmigkeit. Im christlichen Mittelalter wird es zum Symbol der Wahrheit und zum dämonenabwährenden Zeichen.

Okkultes Symbol zwischen Gut und Böse

So dermaßen aufgeladen mit verschiedenen Bedeutungen, bekam das Pentagramm die Bedeutung unter der es den meisten von uns geläufig sein dürfte. Man verbindet es als okkultes Symbol mit Hexen und Esoterik, gerade auch durch die vielfältigen Verwendungen in Büchern und Filmen. Als magisches Symbol hatte es meistens eine Schutzfunktion vor dem Bösen. Deswegen ist es auch häufig in Kirchen zu finden. Ein Zeitzeuge, wie lange das Pentagramm ein reines Schutzzeichen war, mag Goethes Faust sein. Denn es ist das Pentagramm, das Mephistopheles, den Teufel, daran hindert das Studierzimmer von Faust zu verlassen:

Mephistopheles: "Gesteh’ ich’s nur! daß ich hinausspaziere / Verbietet mir ein kleines Hinderniß, / Der Drudenfuß auf eurer Schwelle –
Faust: "Das Pentagramma macht dir Pein?

Vielleicht führte die Ketzerei im Mittelalter dazu, dass das Pentagramm auch mit dem Bösen verbunden wurde. Denn auch Heiden und Anbeter des Pans verwendeten das Zeichen. Oder es zeigt, wie nahe Gut und Böse doch beieinander liegen. Sind es doch beides menschliche Urteile über ein Geschehen in der Welt. So oder anders erhielt das Pentagramm seine negativen Eigenschaften. Auf der Spitze stehend gilt es vielen als Zeichen des Bösen, des Unheils und der Krankheit. Oftmals wird es mit Teufelsfratzen gefüllt.

Warum ein Zeichen sowohl für Glück als auch Unglück steht, zeigt sich in den Bedeutungen, die ihm zugeschrieben werden. Und diese ändern sich mit dem, wie die Vertreter solcher Bedeutungen wahrgenommen werden. Was den Talisman oder das Amulett mit dem Pentagramm also zu einem Glücksbringer macht, ist die Absicht dessen, der ihn herschenkt.

Die Bedeutung erhält das Symbol zwar zum einen aus seiner Geschichte, aber zum anderen aus dem, was wir aus ihr machen. Und so ähnlich ist es auch mit dem Glück. Schon der Volksmund sagt: "Des einen Freud, des anderen Leid“. Letztlich sind wir also selbst unser Glückes Schmied.

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