WIRTSCHAFT
04/02/2016 12:31 CET

Gäste wollten sich nicht von einer Muslima bedienen lassen - so reagierte der Hotel-Chef

Waitress walking with plates of food
Ross Durant Photography via Getty Images
Waitress walking with plates of food

Das Hotel „Freizeit In“ in Göttingen ist ein Vier-Sterne-Haus. Spezialisiert auf Events, Tagungen, Hochzeiten.

Auf Facebook wünschte die Geschäftsführung allen Gästen zum neuen Jahr „Schnee auf der Zunge, Schmetterlinge im Bauch und Sonne im Herzen – oder einfach ganz viele glückliche Momente im neuen Jahr.“

Wir wünschen Schnee auf der Zunge, Schmetterlinge im Bauch und Sonne im Herzen – oder einfach ganz viele glückliche Momente im neuen Jahr.

Posted by Hotel Freizeit In on Donnerstag, 31. Dezember 2015

Der Wunsch scheint nicht bei allen Gästen angekommen zu sein. Im Gespräch mit dem NDR erzählte Hotelchef Olaf Feuerstein, dass es immer mehr Hotelgäste gebe, die nicht von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund bedient werden wollten. Seit die Flüchtlingskrise großes Thema sei, gehe das so. „Früher hatten wir das gar nicht“, sagt Feuerstein der Huffington Post, „jetzt haben wir fünf bis zehn Fälle im Monat.“

Ein solcher Fall: Eine Tagungsteilnehmerin habe einer muslimischen Auszubildenden gesagt, dass sie nicht mehr von ihr bedient werden wolle. Sie habe Angst vor ihr. Weil sie ein Kopftuch trage.

Feuerstein sagt, die Mitarbeiterin sei sehr erschrocken und habe sich vom Tisch zurückgezogen. Dafür kam dann Feuerstein selbst.

„Ich kümmere mich in der Regel persönlich um solche Gäste“, sagte er dem NDR. Denn die träten oft „sehr wortgewaltig auf“, ihnen zu antworten sei „oft nicht ganz einfach“.

Einfach und klar ist allerdings Feuersteins Botschaft: Solche Gäste brauchen nicht wiederzukommen. Im Jargon eines Hotelchefs: „Das ist nicht unsere Philosophie.“

Er steht hinter seiner Mannschaft. Das Hotel, sagte er der HuffPost, habe knapp 260 Mitarbeiter, davon hätten etwa 80 Migrationshintergrund, 19 verschiedene Nationalitäten zählten zum Team. Bei vielen von ihnen höre man einen ausländischen Akzent, was ihnen teils „unverblümte Ablehnung“ der Gäste einbringe.

Die besagte Tagungsteilnehmerin habe sich auch durch Feuersteins Eingreifen nicht beeindrucken lassen. Er hat sie daraufhin gebeten, sich künftig ein anderes Hotel zu suchen.

Das Hotel habe dadurch schon einige Gäste verloren. „Aber damit können wir sehr gut leben.“

Schön, wenn man so einen vernünftigen Chef hat.

Das finden längst nicht alle User, die unter dem NDR-Post kommentieren. Sie halten es für unpassend, ein Zeichen der Religion – und insbesondere des Islam – in der Arbeit offen zu tragen. Sie wollen das nicht tolerieren.

Aber viele unterstützen Feuerstein und sein Team:

Roman Lang schreibt: „Der Service, die Freundlichkeit und Zuvorkommenheit ist wohl eher entscheidend, oder.. Kompetenz ist gefragt in der Arbeit. und damit hat sich die Diskussion erledigt.“ Susanne Grimm meint: „Solange ich mich mit normalem gutem Deutsch mit der Rezeption verständigen kann - kein Problem.“

Frauke Küster geht das Thema pragmatisch an: „Das Haar in der Suppe kann dann jedenfalls nicht von der Bedienung sein ..."

Und Wolfgang Heinen schreibt: „Hut ab vor diesem Hotelchef und seinem Mut, dies den Gästen auch unmissverständlich klar zu machen.“

Auch auf HuffPost:

"Wären lieber im Meer ertrunken": Frustrierte Flüchtlinge verlassen Deutschland - und haben eine drastische Botschaft

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.