WIRTSCHAFT
03/02/2016 15:00 CET | Aktualisiert 03/02/2016 15:06 CET

Angeblich macht Cola nicht dick: So dreist soll Coca-Cola Forscher manipulieren

dpa

Übergewichtige Menschen dürften das gerne hören: Forscher, darunter auch Wissenschaftler aus Freiburg, wollen gerade erst entdeckt haben, dass der Hang zum Übergewicht genetisch veranlagt ist.

Cola und Limo machen nicht dick. Eine Vielzahl von Studien der vergangenen Jahre, über die auch zahlreiche Medien berichteten, kam genau zu diesem verblüffenden Ergebnis. Dumm nur, dass hinter vielen dieser Forschungsarbeiten, von der Freiburger Arbeit einmal abgesehen, zumindest indirekt niemand anderes steckt als die Softdrink-Industrie.

Bis zu 180.000 Tote durch Cola, Limo und andere Softdrinks

Unter den meisten seriösen Forschern ist es unstrittig, dass Menschen, die viele zuckerhaltige Getränke trinken, ein deutlich erhöhtes Diabetes-Risiko haben. Schätzungen der Harvard School of Public Health zufolge gehen weltweit 180.000 Todesfälle pro Jahr auf das Konto solcher Getränke.

Doch von dem offensichtlichen Zusammenhang zwischen Softdrinks und Krankheiten wie Diabetes oder diversen Herzleiden wissen viele Deutsche, wie ihr Trinkverhalten zeigt, offenbar noch immer nichts. Kein Wunder: Schließlich versuchen Kritikern zufolge Softdrink-Giganten, mit hohen Millionen-Summen seit Jahren die öffentliche Debatte zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Eine Million Euro alleine für die Berliner Charité

Fakt ist: Die Berliner Charité etwa hat sich über fünf Jahre hinweg mit insgesamt einer Million Euro von Coca-Cola sponsern lassen. Der Brause-Hersteller finanzierte ausgerechnet Forschungsprojekte und eine Plattform zum Thema Herzerkrankungen - für deren Entstehung zuckerhaltige Getränke mitverantwortlich sind. Das geht aus einer Aufstellung von Coca-Colas so genannten "Gesundheitspartnerschaften" hervor, die das Unternehmen nach Aufforderung der Verbraucherorganisation Foodwatch offengelegt hat.

Demnach hat Coca-Cola zwischen 2010 und 2015 allein in Deutschland knapp 7,5 Millionen Euro investiert, um sich als Förderer von Gesundheit, ausgewogener Ernährung und Bewegung zu präsentieren. So floss etwa auch Geld an die Universität Paderborn.

Zuerst hatte "Frontal 21" über das Sponsoring berichtet. Coca-Cola bestreitet jedoch, damit die Forschung beeinflussen zu wollen.

Ein Sprecher von Coca-Cola Deutschland teilt auf Anfrage der Huffington Post über die Zusammenarbeit mit der Charité: „Wir sind stolz auf diese Partnerschaft und darauf, dass wir einen Beitrag für dieses wichtige Anliegen leisten konnten.“

Im Rahmen der Coca-Cola-Initiative "Hör auf dein Herz" an der Charité sollten etwa die Herzgesundheit bei Frauen untersucht werden. Der Getränkemulti hat dabei nach eigenen Angaben „die Bekanntheit der vor allem bei Frauen beliebten Marke Coca-Cola light dafür eingesetzt, um Frauen auf dieses Thema aufmerksam zu machen“. Man habe so mit dazu beigetragen, „die Erkenntnisse zur besten Vorbeugung gegen das größte Todesrisiko bei Frauen bekannt zu machen“.

"Unabhängigkeit der Gesundheitsforschung massiv gefährdet“

Ein Charité-Sprecher sagt der Huffington Post, Coca Cola habe „zu keiner Zeit Einfluss auf die Studie geltend gemacht“. In allen Veröffentlichungen und öffentlichen Präsentationen sei die Finanzierungsquellen der Studienergebnisse transparent dargelegt geworden.

Keine Einflussnahme? Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelmarketing bei der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, zweifelt im Gespräch mit der Huffington Post an den hehren Zielen des US-Konzerns. „Grundsätzlich wollen Unternehmen mit Millionen-Förderungen natürlich auch etwas für sich erreichen.“ Er sieht "die Unabhängigkeit der Gesundheitsforschung massiv gefährdet“.

Mehr als 100 Millionen Dollar für "Gesundheitspartnerschaften"

Eine Untersuchung eines renommierten Professors erhärtet den Verdacht der Einflussnahme. Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung durchforstete 17 Studien, in denen untersucht wurde, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Übergewicht gibt. Das Ergebnis ist eindeutig: 80 Prozent der mit öffentlichen oder staatlichen Geldern geförderten Studien bescheinigen einen klaren Zusammenhang. Bei den von der Industrie bezahlten Untersuchungen kamen dagegen 80 Prozent zu einem gegensätzlichen Ergebnis.

Die Summen, mit denen die Industrie nach Ansicht von Kritikern um das Wohlwollen von Forschern und Öffentlichkeit buhlt, ist enorm: Coca-Cola etwa räumte im vergangenen Jahr ein, bereits mehr als 100 Millionen Dollar für "Gesundheitspartnerschaften" und Wissenschaftskooperationen ausgegeben zu haben. Der Konzern veröffentlichte auch eine Liste mit Wissenschaftlern und Gesundheitsorganisationen, an die das Geld geflossen war.

Aus Sicht von Foodwatch gibt es eine Reihe von Lebensmittelkonzernen, die versuchten, Einfluss auf die Gesundheitsforschung zu nehmen. „Die Politik muss endlich begreifen, dass die Nahrungsmittelhersteller massive Lobbyarbeit betreiben“, sagt Konsumentenschützer Huizing.

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