LIFE
03/02/2016 06:47 CET | Aktualisiert 21/01/2018 11:32 CET

Dieses Foto zeigt, wie viel Schuld Frauen selbst an Belästigungen haben

Als Christen Brandt am vergangenen Donnerstag eine U-Bahn-Station in New York verlassen wollte, stellte ihr ein fremder Mann nach.

Kurz darauf postete die junge Frau ein Foto ihres Outfits, das dem Mann wohl so gut gefallen hatte, dass er ihr hinterherlief und sie anmachte:

This is what I was wearing this morning as I made my way through a crowded 34th Street subway station, and a man passing...

Posted by Christen Brandt on Donnerstag, 28. Januar 2016

"Das habe ich an diesem Morgen getragen, als ich mir einen Weg durch die überfüllte U-Bahn-Station an der 34. Straße bahnte. Ein Mann lief an mir vorbei und sagte: 'Verdammt, du hast richtig schöne Beine.' Als ich ihn ignorierte und weiterlief, drehte er sich um und folgte mir, obwohl ich mich von ihm wegbewegte. 'Hast du mich gehört, Süße? Ich sagte, du hast schöne Beine. Verdammt! Dankeschön.'

Es war das 'Dankeschön', das mich so aufregte. Als ob die zwölf Zentimeter meiner mit Leggings bedeckten Haut nur für ihn da wären. Ein Geschenk, eingewickelt in braunen Strumpfhosen. Auf der Welt, um ihm zu gefallen oder nicht.

Das nächste Mal, wenn du dich fragst, ob dein Rock zu kurz ist oder du deiner Teenager-Tochter sagst, dass sie ihre Klamotten wechseln soll, oder einfach, wenn du von einem Dresscode für die Schule in den Nachrichten hörst, dann denke an dieses Foto.

Ich bin ein verdammter Parka mit Stiefeln.

Und es ist egal.

Alle Frauen erleben diese Momente, alle von uns. Und immer noch tut die ganze Welt so als wäre das unser Problem, das wir selbst lösen müssen. Reißt euch endlich zusammen, Jungs.

Ich für meinen Teil habe es satt, mich damit auseinandersetzen zu müssen."

Ihr Post stieß im Netz auf eine riesige Resonanz.

Er wurde 160.000 Mal geliked und 85.000 Mal geteilt. In den Kommentaren berichteten andere Frauen von ihren eigenen Erfahrungen. Eine Frau beschrieb, wie sie von mehreren Männern aufgehalten und belästigt wurde.

Das sind bei weitem keine Einzelereignisse.

In einer Umfrage der Organisation Hollaback, die gegen Belästigung an öffentlichen Plätzen kämpft, gaben 84 Prozent der Teilnehmerinnen an, dass ihnen das erste Mal zwischen 11 und 17 Jahren auf der Straße nachgerufen wurde. An der Umfrage nahmen 16.000 Frauen aus 22 Ländern – darunter auch Deutschland – teil.

Drei Viertel der Frauen gaben an, dass ihnen schon jemand auf der Straße gefolgt war. Aus diesem Grund hätten 72 Prozent der amerikanischen Teilnehmerinnen schon einmal das Transportmittel gewechselt. Dieses Verhalten ängstigt Frauen auf der ganzen Welt und schränkt sie in ihrer Bewegungsfreiheit ein.

Oft wird dieses Problem von anderen Menschen – Männern wie Frauen – einfach heruntergemacht.

So fragte auch ein User unter Christens Post, ob sie kein größeres Problem hätte, als sich über ein Kompliment aufzuregen.

Was er wohl nicht verstanden hat: Das ist kein Kompliment. Wirklich nicht.

Und es ist auch kein rein amerikanisches Phänomen.

Denn etwas ähnliches widerfuhr auch der deutschen Bloggerin Frauke Heesing. Als sie einer Kollegin erzählte, dass ihr ein Fremder unter den Rock gefasst hatte, sagte diese zu ihr ihr: „Ach, nimms doch einfach als Kompliment.“

Frauke schreibt daraufhin:

"Nein, sexuell angefasst zu werden, ohne dies zu wollen, ist kein Kompliment, es ist erniedrigend und einschüchternd und es hinterlässt Spuren, jedes Mal. Ob bewusst oder unterbewusst ist dies eines der Motive von sexueller Belästigung und die beginnt eben schon im Kleinen, bei den vielen Pfiffen im Park oder dem Anstarren in der U-Bahn."

Wir müssen endlich in einen gemeinsamen Dialog treten und uns klarmachen, dass diese Belästigungen, so harmlos sie einigen erscheinen mögen, ein erstzunehmendes Problem sind, das Frauen in ihrer Freiheit einschränkt. Und das ist schlichtweg nicht hinnehmbar.

Wir wollen eure Meinungen, eure Geschichten, euren Aufschrei - gemeinsam machen wir den Tätern und auch der Politik klar, dass es so nicht weitergehen kann. Frauen dürfen in Deutschland nicht mehr Opfer sexueller Gewalt werden. Schreibt uns eure Geschichten und/oder schickt ein Video an Blog@huffingtonpost.de.

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