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02/02/2016 08:29 CET | Aktualisiert 02/02/2016 08:34 CET

Workaholic: Wenn Arbeiten zur Sucht wird

CZQS2000 / STS via Getty Images
Woran erkennt man einen Workaholic?

Arbeitssüchtige gelten als engagiert, zielstrebig und erfolgreich. Während andere Menschen nicht aufhören können, zu rauchen und Alkohol zu trinken, erscheint der Drang nach Arbeit als noch die angenehmste Sucht. Jedoch sind "richtige“ Workaholics krank. Der permanente, psychische Druck bleibt nicht ohne Konsequenzen und Betroffene sollten möglichst frühzeitig betreut werden.

Ähnlich wie bei Burn-out ist die Arbeitssucht nicht klar definiert. Nicht jeder, der viel arbeitet und viele Übersunden macht, ist gleich süchtig. Aber bei jedem siebten Deutsche besteht die Gefahr dazu. Dabei kommt es nicht auf eine bestimmte Überstundenzahl an. Es geht viel mehr um die innere Ruhe.

Die Arbeit lässt Arbeitssüchtige nicht mehr los

Betroffene haben das Gefühl, die Welt würde ohne die eigene Arbeit zusammenbrechen. So definiert Diplom-Psychologe Stefan Poppelreuter Arbeitssucht. "Wer das Telefon und den Computer ausschalten kann und einen Tag mit der Familie genießt, ohne an die Arbeit zu denken, braucht sich keine Sorgen zu machen“, sagt Poppelreuter.

Zu Hause nur physisch präsent zu sein, reicht also nicht. Gesprächen nicht zu folgen oder dauernd nebenher E-Mails zu schreiben, sind ebenfalls Erkennungsmerkmale von Workaholics.

"Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden“, erklärt Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management in Hamburg in dem Bericht. Dabei arbeiten Workaholics nicht automatisch produktiver. "Sie können nicht delegieren und keine Prioritäten setzen und eignen sich nicht, mit anderen zusammenzuarbeiten", warnt Poppelreuter.

Poppelreuter beobachtete auch, dass eine Neigung zum Suchtverhalten besonders bei kreativen und helfenden Berufen, sowie bei Selbstständigen, vertreten ist. Arbeit scheint dabei zu helfen, vor anderen Konflikten im Leben zu fliehen. Werner Gross, Mitbegründer des Psychologischen Forums Offenbach, sagt der Zeitung zufolge: "Vielen fehlt die innere Erfüllung."

Gesundheitliche Folgen

Die innere Anspannung wirkt sich auch auf den Körper aus und der Körper versucht, ein Stoppsignal zu geben. Zu den häufigsten Folgen gehören Kopfschmerzen, Magengeschwüre und Schlafstörungen.

In arbeitsfreien Zeiten bekommen Süchtige unter anderem einen nervösen Magen und Herzrasen, oder sie sind niedergeschlagen und gereizt. Auch psychosoziale Probleme wie Konflikte in der Familie oder im Freundeskreis gehören zu den möglichen Folgen.

Der Weg aus der Sucht

"Der erste Schritt ist, es selbst zu probieren, mit Vertrauten zu reden", empfiehlt Poppelreuter. Verschiedene Selbsthilfegruppen für seelische Gesundheit und auch die Anonymen Arbeitssüchtigen bieten Betroffenen ihre Unterstützung an.

Wenn das nicht reicht, können eine auf Sucht spezialisierte Psychotherapie oder die stationäre Rehabilitation helfen. "Ziel einer Behandlung kann nicht die Abstinenz sein, dazu ist Arbeit zu wichtig und notwendig“, betont Poppelreuter.

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