POLITIK
01/02/2016 15:09 CET | Aktualisiert 01/02/2016 16:17 CET

"Berichten, wie es Frau Merkel gefällt": Ex-ZDF-Mann verstrickt sich nach Weisungsvorwurf in Widersprüche

ZDF Mediathek

Steht der Öffentlich-rechtliche Rundfunk unter der Kontrolle der Politik? Gibt es Vorgaben, wie über die Flüchtlingskrise zu berichten ist?

Das jedenfalls legten kürzlich Aussagen einer WDR-Journalistin nahe. Sie sagte: "Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten." Kurze Zeit danach revidierte sie ihre Aussage als "Quatsch".

Aufhänger waren die sehr späten Berichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über die Vorfälle von Köln.

Am Wochenende hat der ehemalige ZDF-Kulturmoderator Wolfgang Herles die Debatte mit Aussagen im Deutschlandfunk die Diskussion weiter angefacht.

Er sagte:

"Und es gibt tatsächlich – das muss ich an dieser Stelle doch nochmal sagen, weil es ja in der öffentlichen Diskussion ist – Anweisungen von oben. Auch im ZDF sagt der Chefredakteur: Freunde, wir müssen so berichten, dass es Europa und dem Gemeinwohl dient. Und da braucht er in Klammern gar nicht mehr dazusagen: Wie es der Frau Merkel gefällt."

Kein Wunder, dass sich die Aussage rasend schnell in den sozialen Netzwerken verbreitete und als Beleg für die Befangenheit von ARD, ZDF und anderen Sendern galt.

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Wie das Medienportal "Meedia" jetzt berichtet, scheint es Herles aber gar nicht so gemeint zu haben. Der Autor verweist auf ein Interview von Herles mit dem Publizisten Jakob Augstein.

Der hatte Herles in einem Interview gefragt, ob es die "Anweisungen von oben gebe". Die Antwort von Herles: "Nein, das bestreite ich vehement, da ist nichts von oben befohlen."

Na, was nun? Aufklären lässt sich der Widerspruch aktuell nicht.

Wahrscheinlich ist, dass Herles sich in seiner ersten Äußerung auf den ZDF-Staatsvertrag bezog. Diesem Papier verpflichten sich die Journalisten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dort heißt es unter anderem:

"Das ZDF hat in seinen Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Es soll dazu beitragen, die Achtung vor Leben, Freiheit und körperlicher Unversehrtheit, vor Glauben und Meinung anderer zu stärken."

Nicht die schlechteste Anweisung "von oben".

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