POLITIK
01/02/2016 22:26 CET | Aktualisiert 23/02/2016 05:14 CET

Der AfD-Vorstand putscht gegen Petry - und soll schon einen Nachfolger im Blick haben

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry
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Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry

Kommt jetzt der Putsch gegen Frauke Petry? Die Parteivorsitzende der AfD steht nach ihrer Äußerung zu Schüssen an der Grenze auch in ihrer eigenen Partei in der Kritik. Offenbar gibt es hinter den Kulissen einen Machtkampf gegen die Vorsitzende. Angeblich wird bereits über einen Nachfolger diskutiert.

Petry macht sich in der eigenen Partei unbeliebt. Dem "Mannheimer Morgen" hatte sie ein einem Interview gesagt, Polizisten müssten illegalen Grenzübertritt verhindern, und dabei "notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen". Daraufhin distanzierte sich der stellvertretende Chef der Partei, Alexander Gauland, von Petry. "Gezieltes Schießen auf Menschen kommt für die AfD nicht infrage", sagte er der Nachrichtenagentur DPA.

Auch der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen ging auf Distanz. Er nannte zwar die Aufregung in den Medien "künstlich". Allerdings kritisierte er, Petry hätte sich zu diesem Thema überhaupt nicht äußern müssen, weil die Rechtslage völlig klar sei. Ihn ärgere das sehr.

Der AfD schadete die Debatte. Bei den Wählern kam Petrys Aussage schlecht an, wie die "Bild" unter Berufung auf den neuen INSA-Meinungstrend berichtet. Danach käme die AfD auf 12,5 Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Das sind 0,5 Punkte weniger als in der Vorwoche und der erste Rückgang seit Mitte Dezember, sagte INSA-Chef Hermann Binkert: "Die aktuelle Debatte schadet der AfD."

Petrys eigenmächtiges Handeln bringt die Partei gegen sie auf. Wie "Bild" berichtet, musste sie auf Druck mehrerer Vorstände - darunter Meuthen - eine Erklärung unterschreiben, in der sie beteuert, dass sie es "strikt ablehnt, dass auf Menschen geschossen wird, die friedlich Einlass in das Bundesgebiet begehren".

Auch wegen anderer Vorfälle steht Petry unter Druck aus der Partei. Der Vorwurf laut "Bild"-Zeitung: Sie würde mit ihrem Lebensgefährten, dem nordrhein-westfälische AfD-Chef Marcus Pretzell, immer wieder Aktionen am Vorstand vorbei handeln. So will sie zum Beispiel mit dem Chef der österreichischen Rechtsnationalen, FPÖ-Chef Heinz-Christian Stracher, bei einer Veranstaltung von Pretzell in Düsseldorf auftreten.

Der Vorstand will Petry an die Leine legen. Heute will er ab 7.30 Uhr in einer Telefonkonferenz über Konsequenzen beraten - die Initiative ging vom Co-Vorsitzenden Meuten aus. Ein AfD-Vorstand sagte zur "Bild"-Zeitung: "Petry hat sich mit ihren jüngsten Aussagen ins Abseits manövriert. Sie muss unter Kontrolle gebracht werden, wenn sie nicht persönliche Konsequenzen zieht."

"Persönliche Konsequenzen" - das ist eine bereits eine chiffrierte Forderung nach einem Rücktritt.

Angeblich soll schon über einen neuen Vorsitzenden gesprochen werden: ihr Stellvertreter Alexander Gauland. Sollte der sie wirklich stürzen, wäre das eine Ironie des Schicksals. Mit ihm zusammen hatte sie einst Bernd Lucke aus der Partei vertrieben.

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