POLITIK
31/01/2016 11:09 CET | Aktualisiert 23/02/2016 16:42 CET

Das sind die Ängste muslimischer Deutscher

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Auch Deutsche mit Migrationshintergrund haben Angst vor Flüchtlingen.

Seit knapp eineinhalb Jahren gehen jeden Montag in Dresden und anderen Städten "besorgte Bürger" auf die Straße, um gegen die "Islamisierung des Abendlandes" zu demonstrieren. Flüchtlingsheime werden angezündet und in sozialen Netzwerken wird gegen Menschen mit Migrationshintergrund gehetzt.

Immer mehr Menschen scheinen, trotz mehrfach ausgesprochener Ablehnung großer Teile der muslimischen Bevölkerung gegenüber dem IS, Terroristen mit muslimisch Gläubigen über einen Kamm zu scheren. Seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln sind diese Stimmen lauter geworden.

Als Reaktion auf diese bedenklichen Entwicklungen fragte NDR-Reporter Michel Abdollahi deutsche Muslime, was sie über die Übergriffe in Köln denken, wie es ihnen momentan in Deutschland geht und wovor sie Angst haben.

Das Ergebnis: Die befragten Muslime haben in letzter Zeit verstärkt mit Vorurteilen zu kämpfen.

"Man wird in eine Schublade gesteckt, obwohl man voll integriert ist."

Wenn man wie ein Ausländer aussieht, wird man abgestempelt, berichten die Interviewten. Eine muslimische Frau sagt: "Man merkt, wie man jetzt anders behandelt wird." Auch eine eine deutsche Frau, die mit einem türkischen Mann verheiratet ist, berichtet, dass sie früher mit dem deutschen Nachnamen "Meier" am Telefon anders behandelt wurde. Jetzt, mit dem türkischen Nachnamen, seien die Leute "unfreundlich". Als ein Mann aus Bulgarien auf die Sextäter in Köln angesprochen wird, sagt er: "Die denken, dass ich auch das Gleiche bin."

Viele Migranten aus unterschiedlichen Ländern sehen die sexuellen Übergriffe als unverantwortliche Straftat an.

So meint eine Frau aus der Türkei: "Das hat nichts mit deutschen Werten zu tun. Das sind moralische Werte. In jedem Land muss man sich bemühen, sich richtig zu verhalten." Frauen sollten in Ruhe gelassen werden, egal, wie sie angezogen sind. Ein Mann, der seine kleine Tochter auf dem Arm hält, fordert: "Die Menschen gehören bestraft, die das gemacht haben. Egal, ob mit Migrationshintergrund oder nicht."

Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, haben Angst um ihren Ruf.

Auch in den Ländern, aus denen die mutmaßlichen Täter kommen, seien sexuelle Übergriffe auf Frauen verpönt. Deshalb haben sich viele Flüchtlinge nach den Kölner Ereignissen offen für eine harte Bestrafung oder Abschiebung der Täter ausgesprochen. Sie haben Angst davor, mit den Tätern gleichgesetzt zu werden. Diese würden noch mehr Hass gegen Flüchtlinge schüren und es den Menschen, die in Europa Schutz suchen, noch schwerer machen.

Viele deutsche Frauen mit Migrationshintergrund hätten selbst Angst vor männlichen Asylbewerbern, die die Regeln in Deutschland nicht akzeptieren.

Am Ende sollen die Befragten den Satz "Ich habe nichts gegen Deutsche, aber..." beenden. Diesen musste man in der Form "Ich hab nichts gegen Ausländer, aber..." in den letzten Monaten oft in den sozialen Netzwerken lesen.

Die Antworten deuten auf das Gleiche hin: Die Angst vor der Zukunft. Sie haben Angst, dass sie keine Jobs mehr bekommen. Und dass sich die gesellschaftliche Lage rund um die Flüchtlingskrise weiter zuspitzt. Auch wenn die meisten der Befragten selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, hätten sie Angst, dass aus den eigenen Reihen Vorurteile gegen sie laut werden. Dass sie immer mehr aus ihrer eigenen Gesellschaft ausgegrenzt und ausgeschlossen werden.

Eine Frau mit Kopftuch sagt: "Ich hab kein 'aber'. Warum sollte ich was gegen die haben. Ich bin ja selbst eine von denen."

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