POLITIK
30/01/2016 12:14 CET | Aktualisiert 30/01/2016 12:20 CET

Ulrich Wickert: "Der russische Geheimdienst hat den Begriff Lügenpresse in Deutschland verbreitet"

Getty Images
Wickert spricht

Ulrich Wickert, einer von Deutschlands bekanntesten und mehrfach ausgezeichneten Journalisten, spricht in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" über das gesunkene Vertrauen in die deutschen Medien.

Er findet es falsch, dass die Herkunft der Täter im Fall der Silvesternacht in Köln in einigen Medien verschwiegen wurde.

"Ich beobachte ein falsches Verständnis von Toleranz und Demokratie, weil manche Dinge tabuisiert wurden. Es gibt Momente, in denen man benennen muss, dass es algerische oder marokkanische oder tunesische Jugendliche gibt, die ein gewisses Verhalten in Deutschland an den Tag legen, das wir nicht dulden", sagte Wickert dem Magazin.

Trotzdem meint er, dass sich die deutsche Presse seitdem "hervorragend bewährt" habe. Die Bevölkerung sei danach über die Vorgänge aufgeklärt worden und nun habe eine Auseinandersetzung mit dem Problem begonnen.

Gerade wird nämlich über die Flüchtlingspolitik und sexuelle Übergriffe eine hitzige und erbitterte Debatte geführt.

In der Diskussion um sexuelle Übergriffe tauchten auch Falschmeldungen auf - wie der Fall der 13-jährigen Lisa aus Berlin, die behauptete, von "südländisch aussehenden Männern" vergewaltigt worden zu sein. Wie sich herausstellte, stimmte das nicht.

Diesen Fall nahm der russische Außenminister trotzdem zum Anlass, deutschen Medien und Politikern vorzuwerfen, sie würden Probleme mit Migranten vertuschen. In den russischen Medien werden die Flüchtlinge in Deutschland schon lange diskreditiert.

So ist es nicht verwunderlich, dass vor Kurzem etwa 700 überwiegend russischstämmige Menschen in Berlin gegen Ausländerkriminalität demonstrierten. Die Demonstration wurde von zahlreichen russischen Medien verfolgt und kommentiert.

Das scheint auch der AfD zu gefallen. Der brandenburgische Parteichef Alexander Gauland war bereits Ende 2014 gemeinsam mit anderen AfD-Politikern zu Gesprächen in die russische Botschaft eingeladen worden.

Ulrich Wickert sieht hinter diesen Vorgängen eine Strategie des Kremls.

Er erklärte in der "Wirtschaftswoche":

"Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert, das kommt nicht nur aus unserer Gesellschaft, sondern auch von außen. Wir erleben aktuell, dass der russische Staat Propaganda gegen deutsche Journalisten macht, um ihr Vertrauen zu erschüttern. Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff 'Lügenpresse' in Deutschland verbreitet hat."

Darüber hinaus behauptet Wickert, dass Putin in Europa neben den französischen Nationalisten des "Front National" auch Pegida und andere rechte Bewegungen unterstütze. Beweise für seine Behauptung habe er allerdings nicht.

Auch auf HuffPost:

Video:Panne oder geplante Übung?: Putins neuer Superpanzer Armata T-14 versagt den Dienst

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.