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30/01/2016 07:10 CET | Aktualisiert 30/01/2016 07:12 CET

Wie es sich anfühlt, seinem Kind den falschen Namen gegeben zu haben

Wie es sich anfühlt, seinem Kind den falschen Namen gegeben zu haben
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Wie es sich anfühlt, seinem Kind den falschen Namen gegeben zu haben

Einen Namen für das eigene Kind zu finden, gehört zu den schwersten Aufgaben, die Eltern vor der Geburt erwartet. Es gibt so viel zu beachten: Die Meinung von Familienmitgliedern, Bedeutung, Geschwister, mögliche Spitznamen und Originalität. Es wird überlegt, beraten, diskutiert. Und wenn der große Tag dann da ist, wird eine Entscheidung getroffen.

Willkommen, kleiner Rambo John Doe. Huzzah!

Aber für manche Eltern ist das Treffen dieser Entscheidung nur so lange wundervoll, bis sich die Reue einstellt.

"Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, wie ich den Namen meines Sohnes wahrnahm, als Ryan zur Welt kam,” sagt Elizabeth, 22, gegenüber der Huffington Post USA. Sie und ihr Mann hatten sich etwa bei der Hälfte der Schwangerschaft auf einen Namen geeinigt. Sie wollten einen traditionellen, aber trotzdem nicht zu häufigen Namen. Er sollte kurz, einfach zu schreiben und auszusprechen sein und keinen gängigen Spitznamen haben.

Sie machten eine Liste und Ryan konnte sich durchsetzen, also erzählten sie Freunden und Familie davon. Bei ihrer Baby-Party - deren Dekoration mit “Ryan”-Schriftzügen verziert war - fing Elizabeths Überzeugung an, zu bröckeln. Und als Ryan dann da war, merkte sie schnell, dass etwas nicht stimmte.

"Jedes Mal, wenn ich seinen Namen gesagt habe, klang das einfach nicht richtig… Ich kann gar nicht sagen, warum”, erklärt Elizabeth. “Der Name war gut, aber nicht ganz richtig für ihn.”

Für viele Eltern ist der Grund ihrer Reue und Enttäuschung wesentlich klarer: Eine Kertwende in der Beliebtheit. So ging es auch einer Mutter, die aus Gründen der Privatsphäre anonym bleiben möchte. Wir nennen sie S.

S. hat sich für Harper als zweiten Namen für ihren Sohn entschieden. Er kam 2007 zur Welt und der Name war damals geschlechtsneutral und eher unbekannt. Ein Jahr später tauchte der Name unter den Top-20 der beliebtesten Mädchennamen auf.

Eltern finden überhaupt keinen Namen mehr gut.

Ähnlich erging es Jill, 47, die ihren Sohn (heute 22) Skylar nannte. Damals war der Name ungewöhnlich, heute ist er in den Top-50 der beliebtesten Mädchennamen.

Jen, 45, war unentschlossen zwischen Grace und Zoey für ihre Tochter. Sie entschied sich schließlich für Zoey und fand kurz darauf heraus, dass Zoey einer der Top-Namen für Hunde ist.

Heutzutage haben Eltern viel mehr Möglichkeiten, sich über Trends und Modenamen zu informieren. Heute geben sich Eltern auch scheinbar mehr Mühe, um den “richtigen” Namen für ihr Kind zu finden. Das verringert das Risiko, die Wahl später zu bereuen.

Pamela Redmond Satran, Mitgründerin der Webseite "Nameberry" warnt aber: “Das kann soweit gehen, dass die Eltern überhaupt keinen Namen mehr gut finden und letztlich jede Wahl bereuen werden. Die meisten Namen haben auch Nachteile. Der ausgefallene Name ist einzigartig, aber gleichzeitig wahrscheinlich nicht leicht zu schreiben oder gar auszusprechen.”

Und während Einzigartigkeit für einige eine gute Sache ist, empfinden sie andere als Last.

Danielle, 27, hat lange nach einem Namen für ihre Tochter gesucht und sich schließlich für Evelia entschieden.

"Alle sagten, das sei eine schlechte Idee. Aber ich mochte den Namen und er war einzigartig”, sagt sie. “In meiner Klasse gab es vier andere Danielles. Ich dachte, ich könnte meiner Tochter dieses Problem ersparen.”

Was sie nicht ahnen konnte, ist, dass ihre Tochter, die mittlerweile in die Grundschule geht, ihren Namen hasst. Und das sagt sie ihrer Mutter auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Jedes Jahr muss sie aufs Neue allen Lehrern und Mitschülern erklären, wie man ihren Namen schreibt und ausspricht. Danielle steht zu ihrer Entscheidung, bereut sie allerdings trotzdem manchmal, wenn ihre Tochter darunter zu leiden scheint. Sie hofft, dass ihre Tochter ihren Namen noch liebgewinnen wird.

Oh Gott, er sieht aus wie Vinny!

Aber manchmal sehen Eltern eine Namensänderung als einzigen Ausweg. Als Kelsi, 21, mit ihrem ersten Sohn schwanger war, wollte sie ihn nicht nach ihrem Partner Vinny nennen. Denn sie wollte ihre eigenen Entscheidungen treffen. Das Paar entschied sich für Andrew. Aber als der Sohn zu Welt kam, rief Kelsi, “Oh Gott, er sieht aus wie Vinny!” An ihr nagte das Gefühl, dass Andrew oder Andy nicht der richtige Name für ihr Kind war.

Sechs Monate später und sehr zu Freude ihres Partners, entschied sich Kelsi, dass sie den Namen ihres Sohnes ändern sollten und zwei Monate danach hieß er offiziell Vinny.

Bis etwa eineinhalb Wochen nach der Änderung rutschte ihr noch ab und zu Andy oder Andrew heraus und ihre Familie machte sich darüber lustig und fragte, ob sie ihr nächstes Kind auch einfach Vinny nennen würden (haben sie nicht). Aber Kelsi ist wesentlich glücklicher mit der Namensänderung.

"Wir werden es unserem Sohn auf jeden Fall sagen,” erklärt sie. “Wir werden ihm sagen ‘Als wir dich gesehen haben und dich kennengelernt haben … haben wir deinen Namen geändert. Dein Vater hat dich so geliebt, er wollte seinen Namen mit dir teilen.’ Ich glaube, er wird froh sein, das zu wissen.”

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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