POLITIK
29/01/2016 05:32 CET | Aktualisiert 29/01/2016 07:27 CET

Das größte Problem der Flüchtlingskrise hat Deutschland bislang ignoriert

Flüchtlinge in München im Sommer 2015
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Flüchtlinge in München im Sommer 2015

Nichts klappt. Deutschland scheint von der Flüchtlingskrise vollständig überfordert: Die europäischen Partner verweigern sich, im BAMF stapeln sich die Aktenberge, die große Koalition ist zerstritten, die Polizisten erschöpft. Berichte über den Zustrom von Flüchtlingen sind durchweg negativ.

Und jetzt das. Ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lobt die großen Fortschritte, die Deutschland bei der Integration von Flüchtlingen gemacht habe - weist aber auch auf ein Problem hin, das bislang zu wenig beachtet wurde.

Der Bericht hebt viele Vorzüge Deutschlands hervor. Asylsuchende können unter bestimmten Bedingungen schon nach einer Wartezeit von drei Monaten Arbeit suchen. Im internationalen Vergleich ist das ein sehr niedriger Wert. Auch die deutschen Integrationskurse werden gelobt.

Allerdings zeigen die Autoren auch ein Problem. Deutschland bemüht sich bei seinen Maßnahmen zur Integration vor allem um Hochqualifizierte. Das Bildungsniveau der Migranten unterscheidet sich je nach Herkunftsland sehr stark. In Schweden hatten nach mehr als 40 Prozent der 2014 eingereisten Syrer ein Ausbildungsniveau, das einer Berufsausbildung oder dem Abitur entspricht. Unter Afghanen waren es nur 20 Prozent, bei Eritreern nur 10 Prozent.

Viele verfügten nicht einmal über eine Ausbildung, die einem Hauptschulabschluss entspricht. "Einem nicht unwesentlichen Anteil mangelt es an Grundkompetenzen, die für ein eigenständiges Leben in der Gesellschaft des Aufnahmelandes erforderlich sind", schreiben die Autoren.

Deutschland ignoriert diese Geringqualifizierten. "Deutschland schenkt den qualifizierten Neuankömmlingen relativ hohe Aufmerksamkeit, darf dabei aber nicht die gering qualifizierten Flüchtlinge vergessen", sagte einer der Autoren, Stefan Liebig, im Gespräch mit der "Welt". "Es ist sehr wichtig, in die Ausbildung dieser Menschen zu investieren, damit sie langfristig am Arbeitsmarkt eine Chance haben und sich nicht nur von Hilfsjob zu Hilfsjob hangeln."

Deutschland hat bereits das Modellprojekt "Early Intervention" gestartet. Dabei werden die Arbeitserfahrungen und Qualifikationen registriert. Arbeitsagenturen versuchen darauf basierend, Asylsuchende zu vermitteln. Als eine Herausforderung führt der Bericht an, dass Herkunft und Bildungsstand der Asylsuchenden enorm variieren. Maßnahmen müssten daher an die jeweiligen Qualifikationen angepasst werden.

Grundsätzlich warnt die Organisation vor bürokratischen Hürden. Der Studie zufolge verfügen die skandinavischen Länder über die modernsten Maßnahmen, um Flüchtlinge erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren.

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