POLITIK
29/01/2016 02:05 CET | Aktualisiert 21/05/2016 14:30 CEST

Und noch ein AfD-Eklat in einer Talkshow: "Schade, dass Roth nicht vergewaltigt wurde"

ZDF Mediathek
Claudia Roth und Jörg Meuthen bei "Maybrit Illner"

Es sind nicht mal zwei Monate bis zum "Super-Wahlsonntag". Und so schickt die AfD alles, was laufen kann, in Talkshows. Das führt dazu, dass die Fernsehzuschauer eine Abfolge von seltsamen AfD-Gewächsen vorgeführt bekommen, die in schöner Berechenbarkeit für einen Eklat nach dem andere sorgen. Nach Frauke Petry, Björn Höcke, und Beatrix von Storch war diesmal Jörg Meuthen bei "Maybrit Illner", einer der beiden Bundesvorsitzenden der Partei.

Es geschah, was geschehen musste. Ach, eigentlich ging es in der Sendung mit dem Titel "Antanzen zur Integration – wie deutsch müssen Ausländer werden?" um die Integration von Flüchtlingen - aber das wurde schnell vergessen.

Das waren die wichtigsten Aussagen der Gäste im Überblick:

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestags: "Wo ist bei der AfD der demokratische Anstand?"

Die Grüne kam kampflustig und gut vorbereitet in die Sendung. Sie konfrontierte den AfD Mann Meuthen mit einem Facebook-Post, das Markus Frohnmaier, der baden-württembergische Landesvorsitzende der AfD-Nachwuchsorganisation nach den Vorfällen in Köln verfasst hatte: "Eigentlich schade, dass man die Roth nicht gleich mitvergewaltigt hat", soll er geschrieben haben und: "Ich hätte gleich mitvergewaltigt." Roth empört sich: "Das ist Gift für unsere Gesellschaft". An Meuthen gerichtet sagte sie: "Da wäre mal eine Entschuldigung angesagt, und zwar 'ne öffentliche von ihm. "

Äußerungen der AfD über die "Lügenpresse" würden dazu einladen "Journalisten auch mal eine drüberzugeben". Beleg dafür sei ein Vorfall bei einer AfD-Demo in Magdeburg, auf der ein Kamerateam des MDR mit Tränengas angegriffen wurde. "Wo ist denn da der demokratische Anstand?", rief Roth.

Jörg Meuthen, Bundesvorsitzender der AfD: "Christen muss Priorität bei Flüchtlingen eingeräumt werden"

Meuthen hatte Roths Attacke wenig entgegensetzen. Frohnmaiers Verhalten sei "nicht Ok", sagte er. "Man kann ihm vielleicht seine Jugend zugut halten. Der Mann ist 24, in diesem Alter schießen die mal über das Ziel hinaus." Roth fast mitleidig zu dieser schwachen Erwiderung: "Och nee ..."

Er machte es noch schlimmer, indem er behauptete, dass es ähnliche Äußerungen auch aus anderen Parteien gebe. "Belegen Sie bitte hier und jetzt, dass es das in anderen Parteien gibt!", schnauzte daraufhin CDU-Mann Strobel. "Das ist ihr Problem, dass sie immer Dinge in die Welt setzen, die sie nicht belegen können."

Meuthen nannte die von CSU-Chef Horst Seehofer Begrenzung der Zuwanderung auf 200.000 Flüchtlinge pro Jahr eine Grenze, die maximal verträglich wäre. Dann der nächste Eklat: Meuthen forderte, verfolgten Christen Priorität einzuräumen. Die anderen Gäste reagieren fassunglos. "Wären der AfD also eine Million Ukrainer lieber als eine Million Muslime?", fragte Illner eher rhetorisch.

Thomas Strobl, stellvertretender CDU Parteichef: "Gesetze macht bei uns das Parlament und nicht der Prophet"

Der stellvertretende CDU-Parteivorsitzende war voll im Wahlkampfmodus. Er versuchte, einen Anforderungskatalog für Flüchtlinge und Migranten aufzustellen: Darunter die Achtung des Grundgesetzes, der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie der freie Meinungsäußerung und der Religionsausübung.

Die Gesetze seien hierzulande zu achten: "Die macht bei uns das Parlament und nicht der Prophet." Weiter sagte er. "Wer gegen diese Gesetze verstößt, muss mit einer harten Sanktion rechnen". In diesem Zusammenhang forderte er ein "rascheres und konsequenteres" Vorgehen bei Ausweisungen. Als er dann noch ein "Dankeschön an unsere Polizisten" aussprach, unterbrach ihn Illner: "Das machen sie jetzt natürlich im Wahlkampf!"

Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin: "Nicht alle Nordafrikaner haben ein Problem mit Frauen"

Die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes warnte davor, nach den Übergriffen in Köln zu behaupten, dass "alle nordafrikanischen oder muslimisch geprägten Männer ein Problem mit Frauen" hätten. Sie sagte: "Wenn wir sowas machen, zündeln wir." Sie nannte es "irrsinnig", dass es bei der Debatte um Integration vor allem um Abschiebungen gehe.

Ulf Küch, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: "Gesetzesverschärfungen dürfen nicht Placebos sein"

Der Kripo-Chef, der gerade sein Buch "Soko Asyl" veröffentlicht hat, warnte, die Bürger hätten das Vertrauen in den Schutz durch Staat und Polizei verloren.

Er versuchte, mit einigen Mythen aufzuräumen: Syrer und Iraker seien bei Kriminalität nicht das Problem. Von den Tätern, welche die Übergriffe in Köln begangen haben, wisse man gar nicht, woher sie kommen.

Er warnte vor Gesetzesverschärfungen, die nur "Placebos" seien. Zum Beispiel Vorhaben, nach denen straffällige Asylbewerber schneller abgeschoben werden sollen. Er glaubt, dass wegen kleinerer Delikte niemand ausgewiesen werden könne. "Ich habe die Sorge, dass das wieder so ein Placebo wird."

Meuthen und der AfD warf er vor, "Feuer im Heizöltank" zu legen. Als Beispiel nannte er den AfD-Politiker Uwe Wappler, der ungeprüft das falsche Gerücht um die Vergewaltigung eines Mädchens durch einen Flüchtling verbreitet hatte.

Thomas de Vachroi, Leiter der Berliner ASB-Notunterkunft in Wilmersdorf: "Politische Diskussion nützt den Helfern nicht"

Der Leiter einer Flüchtlingsunterkunft des Arbeiter Samariter Bundes beklagte sich, dass die politische Diskussion seiner Arbeit nicht nütze: "Wir brauchen Dolmetscher. Wir brauchen unbedingt Unterstützung."

Er könnte nicht verstehen, dass die Parteien in so einer Situation nicht bereit seien, sich zusammenzuarbeiten. "Wir arbeiten zwischen 10 und 14 Stunden pro Tag und ich möchte Politiker gern dazu einladen, mal vier Wochen mitzuarbeiten", sagte Vachroi.

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