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29/01/2016 16:02 CET | Aktualisiert 29/01/2016 16:30 CET

Nach Protest der Eltern: Kindergarten stellt Syrer nicht an

CEFutcher via Getty Images
Symbolbild

Ein Kindergarten in Niedersachsen erlebt gerade ein Desaster: Die Kita wollte einen Flüchtling aus Syrien beschäftigen. Doch die Eltern protestieren, die Tagesstätte blies die Aktion ab.

In den sozialen Netzwerken hat der Fall für heftige Empörung gesorgt. Und er ist ein beunruhigendes Beispiel, wie angespannt die Situation in Deutschland gerade ist.

Die evangelische Kindertagesstätte im Ort Bleckede, Landkreis Lüneburg, wollte den jungen Syrer als befristete Ein-Euro-Hilfskraft anstellen. Initiatorin war die Kita-Leiterin, wie der Evangelische Pressedienst berichtet.

Die Eltern äußerten heftige Vorbehalte - dabei sollte die Betreuung der Kinder nicht einmal zu den Aufgaben des jungen Mannes gehören. Die Kita wollte die Situation entschärfen - und machte damit alles noch schlimmer.

In einem Aushang teilte die Leiterin am 26. Januar mit: "Aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern, einen männlichen Syrer bei uns zu beschäftigen, wird XXX nicht bei uns arbeiten." Der Kindergarten bestätigte gegenüber der "Deutschen Welle", dass der Brief echt ist.

Eltern machten den Fall daraufhin öffentlich. Auch bei der Landeskirche, der Diakonie in Niedersachsen und dem Kirchenkreis Bleckede. In einem gemeinsamen Schreiben heißt es: "Die sehr unglückliche Formulierung könnte unterstellen, es bestehe bei männlichen Zufluchtssuchenden generell Anlass zu Sorge vor Übergrifflichkeiten."

Von dieser Haltung will sich die Kirche klar distanzieren. Die Kita habe den Brief ohne Absprache und "unüberlegt" aufgehängt. Sie habe die Folgen ihres Handelns nicht überblickt.

Außerdem wird versucht, den Schaden zu begrenzen: Die Anstellung sei eigentlich daran gescheitert, dass der Bewerber kein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen konnte. Problem: Dieses kann er aber mit seinem Flüchtlingsstatus gar nicht bekommen.

Der Fall zeigt ein weiteres Mal, wie aufgeheizt die Stimmung in Deutschland derzeit ist. So verbot ein Schwimmbad Flüchtlingen den Zutritt, auch Clubs in Freiburg entschieden sich für den umstrittenen Schritt. Probleme löst man damit nicht - und Vorurteile werden nur verstärkt.

Eine viel bessere Reaktion wäre gewesen, die Eltern und den Flüchtling zusammenzusetzen und diskutieren zu lassen. Nur so lassen sich Ängste und Vorurteile abbauen.

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