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29/01/2016 11:04 CET | Aktualisiert 29/01/2016 11:05 CET

Diese Bedrohung ist viel gefährlicher als der Islamische Staat

Er befehligt Tausende Kämpfer, ist verantwortlich für Zehntausende Todesopfer und zu einem guten Stück für die Flüchtlingskrise hierzulande: die Terrororganisation Islamischer Staat, die derzeit in Syrien und angrenzenden Ländern wütet. Aber: Auf die ungeheure Präsenz der Gruppe könnte ein schnelles Ende folgen, wie eine Analyse in der "Welt" nahelegt.

Die Welt konzentriert sich auf den IS, internationale Militärtruppen fallen in Syrien ein. Doch was viele nicht bedenken: Die Gefahr radikalislamischen Terrors ist damit noch lange nicht erledigt. Zumal eine andere Organisation mit ähnlichen Zielen länger da war und wohl auch länger bleiben wird. Sie ist besser vernetzt, genauso grausam, aber wesentlich diskreter.

Wenn der IS stürzt, bleibt nur eine Gruppe in Syrien zurück

Ihr Name: Dschabhat al-Nusra, zu Deutsch Unterstützerfront - eine Gruppe, die mit der altbekannten Al-Kaida verwandt ist. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) hat die Front aus rund 10.000 Kämpfern langfristig als eine größere Gefahr als den IS ausgemacht.

Dafür hat Dschabhat al-Nusra harte Islamistenarbeit geleistet: Die gemäßigte Opposition in der Region ist durch ihren Einfluss so sehr geschwächt, dass nach einem Sturz des IS nur eine extremistische Macht übrig bleiben dürfte. Und das ist die Unterstützerfront.

So brutal wie der IS - aber geschickter

In Sachen Brutalität steht die Gruppe dem IS in nichts nach. Wer anderer Meinung ist, wer dem falschen Glauben anhängt, der wird getötet. Krankenschwestern, Journalisten und freiwillige Helfer werden entführt und ihre Arbeitgeber oder Heimatländer um Lösegeld erpresst. Nur: All dies geschieht unter dem Radar der Öffentlichkeit.

Zudem verzichtet die Front auf unangenehme Begleiterscheinungen: Sie geht klugerweise Allianzen ein, schafft sich nicht vor dem Hintergrund ihrer Ideologie mehr und mehr Feinde. Ein Beispiel: Saudi-Arabien und Katar lassen der Gruppe Finanzspritzen zukommen. Zudem durfte Nusra-Anführer Abu Mohammed al-Dscholani auf dem katarischen Nachrichtensender Al Jazeera ein Exklusivinterview geben - inszeniert und peinlich.

Die Unterstützerfront kommt vor bei den Einheimischen gut an

Vor Ort kommen die Kämpfer der Gruppe dennoch überraschend gut an: Sie stellen sich gut mit der heimischen Bevölkerung. Zudem hat die Gruppe Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft unter Strafe gestellt - ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu vielen anderen Rebellenvereinigungen, die den Raubzug in erster Linie für den eigenen Wohlstand führen.

Auf den ersten Blick scheint es fast, als sei die Dschabhat al-Nusra eine vergleichsweise gemäßigte Truppe - doch das ist, siehe Morde und Entführungen, ein Trugschluss. Klar ist nämlich: Die Unterstützerfront verfolgt dasselbe Ziel wie der Islamische Staat: ein eigenes Kalifat und der Heilige Krieg. Von der Keimzelle Syrien aus soll ein Kreuzzug gegen Herrscher in aller Welt beginnen.

In dem umkämpften Land wird so schnell keine Ruhe einkehren.

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