LIFE
29/01/2016 06:28 CET | Aktualisiert 29/01/2016 13:30 CET

Diese Fotos zeigen ein anderes Gesicht der Flüchtlingskrise

Bilder von Flüchtlingen, die die gefährliche Reise nach Europa auf sich nehmen, haben in den letzten Monaten die Zeitungen gefüllt.

Oft sind diese Bilder herzzerreissend - sie zeigen Männer, Frauen und Kinder, die dem Tod im Ägäischen Meer getrotzt haben, die in verwahrlosten Camps überlebt haben oder tagelang durch europäische Länder gelaufen sind, die sie nur widerwillig passieren liesen.

Frederic Seguin, 26, hat auf seiner Reise entlang der Flüchtlingsroute Kinder in einem Moment der Freude fotografiert. Von den Küsten Griechenlands, über die Zwischenlager in Mazedonien bis Deutschland - das erhoffte Ziel vieler Flüchtlinge.

"Die dramatischen und tragischen Bilder, die wir ständig sehen, könnten die Flüchtlinge 'entmenschlichen'," sagte Seguin der Online-Zeitung "The WorldPost". "Wenn jemand in einer dieser tragischen Momente so stark ist und lächelt, ist das tausend mal beeindruckender und berührender."

"Meistens fragen die Kinder nach Bildern und reagieren mit einem Lächeln auf die Kamera", sagte Seguin.

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind letztes Jahr in Europa angekommen, die meisten davon aus dem vom Krieg erschütterten Syrien. Jeder Fünfte, der letztes Jahr über das Mittelmeer geflohen sind, war ein Kind.

Trotz der Gefahren, die eine Überfahrt im Winter mit sich bringt, und die zunehmend geschlossenen europäischen Grenzen, kommen immer noch Flüchtende in Rekordzahlen an. Über 45.000 Menschen erreichten Griechenland im letzten Monat - mehr als 30 mal so viele wie im Januar 2015.

Das sind die Bilder, die Seguin innerhalb seines Projektes "Smiles in Exile" ("Lächeln im Exil") aufnahm. Die Bildunterschriften sind die des Fotografen. Auf seiner Website könnt ihr mehr über das Projekt und die berührenden Aufnahmen erfahren.

smile in exile

Moria, Lesbos Island, Greece

"Alles, was er hatte, war dieser Keks und sein Lächeln. Er bot mir beides an, aber ich nahm nur sein Lächeln und ein Foto von ihm an. Er hat versucht, sich vor dem Regen im Camp zu schützen."

smile in exile

Tabanovce, Macedonia (FYROM)

"Ein lächelndes Kind, das spielt. Nichts Ungewöhnliches in unserer Welt. Es sollte auch für sie nichts Ungewöhnliches sein."

smile in exile

Skala Sikamineas, Lesvos, Greece

"Palia hatte unglaublich viel Spaß daran, Seifenblasen zu machen. Ich muss zugeben, ich habe meine Kamera dann weggelegt, um selbst welche zu machen. Es war wie wenn ich mit einem meiner kleinen Cousins gespielt hätte."

smile in exile

Lesvos Island, Greece

"Ich habe selbst keine Kinder, aber ich versuche mir vorzustellen, wie es ist, wenn man die Person, die für einen die wichtigste Person der Welt ist, auf eine so gefährliche Reise mitnimmt. Was muss es für eine Erleichterung sein, nach so nervenaufreibenden Momenten, den Sonnenuntergang am Strand zu beobachten."

smile in exile

Lesvos Island, Greece

"Ich bin als Kind einmal ins Wasser gefallen. Durchgenässt und kalt half mir meine Familie in trockene Kleidung. Wenn Flüchtlinge auf der Insel ankommen, sind sie nass und orientierungslos. Sie wissen nicht, wohin sie gehen sollen und haben keine trockenen Sachen. Diese Thermodecken, die freiwillige Helfer zur Verfügung stellen, haben unzählige Leben auf der griechischen Insel gerettet und sind immer noch sehr gefragt."

smile in exile

Bekaa Valley, Lebanon

"Sawarini, sawarini, sawarini", diese arabischen Worte habe ich am häufigsten gehört, als ich in den Camps unterwegs war. Es bedeutet: 'Mach ein Foto von mir.' Es ist so unglaublich schön, Zeit mit den Kindern zu verbringen und mit ihnen zu spielen, während man sie fotografiert. Aber es macht einem auch bewusst, wie wenig Unterhaltung und Besucher sie in den Camps haben."

smile in exile

UNICEF tent in Geveglija, Macedonia (FYROM)

"Als ich klein war, musste ich einfach nur meine Eltern um einen neuen Stift bitten, wenn ich einen verloren hatte. Ich wusste nicht, was für ein Luxus das war. Mit einem solchen Lächeln wird einem bewusst, dass dieses syrische Kind genau weiß, wie wertvoll ein Stift sein kann."

smile in exile

Gevgelija, Macedonia (FYROM)

"Dieser kleine mutige Mann nimmt sich die Zeit dem glücklichen Fotografen zu winken und ihm zuzulächeln, als er sich mit seiner Familie auf den Weg von der griechischen Grenze nach Mazedonien macht. Bis zum heutigen Tag kann ich nicht anders als selbst zu lächeln, wenn ich dieses Foto betrachte. Nachdem es aufgenommen wurde, hat Mazedonien seine Grenzen für alle Flüchtlinge, bis auf Syrer, Afghanen und Iraker, dicht gemacht."

smile in exile

Moria, Lesvos, Greece

"In den härtesten Umständen, die ich jemals erlebt habe, hätte ich niemals geglaubt, dass auch nur irgendjemand ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern könnte, vor allem ich nicht. Dieser Junge hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, seine Augen leuchteten und sein Lächeln strahlte. Es gibt immer einen Weg zu lächeln. Immer."

smile in exile

Syrischer Junge im Bekaa Valley, Lebanon

"Sein Lächeln hat mir das Herz gebrochen. Und wird es immer wieder tun. Ich weiß, was immer mir in meinem Leben passieren wird, wenn er lächeln kann, sollte ich es auch tun."

smile in exile

Dieser Artikel erschein ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Katharina Geiger ins Deutsche übersetzt.

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