POLITIK
27/01/2016 02:26 CET | Aktualisiert 27/01/2016 02:35 CET

Realsatire: Rom verhüllt nackte antike Statuen für Besuch des iranischen Präsidenten

AP
Für den Besuch des iranischen Präsidenten in Rom wurden antike Statuen verhüllt

Alle sind zufrieden. Der Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Rom ist ein voller Erfolg. Er traf den Papst, der die wichtige Rolle des Iran im Kampf gegen Terrorismus und Waffenhandel betonte. Der schiitische Iran sendet dem sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien damit eine Botschaft: Der Iran hat keine Differenzen mit den Christen.

Keine Stadt steht so für die europäische Kultur wie Rom. Daher erzürnte ein Detail am Rande des Besuches viele Beobachter - denn der Vorfall sagt viel über das Selbstwertgefühl Europas aus.

Beim Besuch Ruhanis ging es auch um das Geschäft. Für ihn war der erste Teil seines Besuchs in Europa auch ein wirtschaftlicher Erfolg: Bereits am Montag hatte seine Delegation 17 milliardenschwere Verträge mit Italien unterzeichnet, die unter anderem die Energieversorgung und die Infrastruktur in dem seit Jahren isolierten Iran verbessern sollen. Von einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ließ man sich die Feierlaune nicht verderben: Dutzenden minderjährigen Straftätern droht im Iran trotz jüngster Justizreformen die Exekution.

Nichts sollte die Deals mit dem Iran gefährden. Daher sah Ruhani bei seinem Besuch in den Kapitolinischen Museen seltsame Holzkisten in den Gängen stehen. Die Regierung in Rom hat "aus Respekt für die iranische Kultur und den Glauben" nackte antike Statuen hinter Holzverkleidungen versteckt. Damit der Gast, mit dem man Millionenverträge abzuschließen gedenkt, sich nicht von Marmor-Brüsten düpiert fühlte.

Echt jetzt? CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf hat die Verhüllung scharf kritisiert. Gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte Wolf: "Das ist eine ungewöhnliche Entscheidung." Wolf fügte an: "Für mich gilt: Gäste sollten stets die Rechts- und Werteordnung ihrer Gastgeber respektieren. Dieser Grundsatz sollte immer gelten, wenn fremde Kulturen aufeinandertreffen."

Antike Statuen verhüllen, als handele es sich um Pornografie. Klingt wie eine Satire des "Postillon" - ist aber nicht.

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