POLITIK
27/01/2016 11:58 CET | Aktualisiert 27/01/2016 18:31 CET

Erbschaftssteuer: Ökonom Guy Kirsch hat einen radikalen Vorschlag, um soziale Ungleichheit zu bekämpfen

dpa

Besitz ist in Deutschland ungleich verteilt, kritisieren Experten immer wieder. Es gibt vorsichtige Schätzungen, nach denen die reichsten zehn Prozent in Deutschland rund zwei Drittel der Nettovermögen besitzen.

Ein Faktor, der dieses Ungleichgewicht nach Forschermeinung verschärft, sind Erbschaften.

Jedes Jahr werden in Deutschland Vermögen im Wert von 200 bis 300 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt, lautete erst vor kurzem das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW).

Geburtenstarke Jahrgänge aus den Dreißigerjahren vererben derzeit

Und der Trend dürfte anhalten. Derzeit erlebt Deutschland eine Erbschaftswelle, weil die geburtenstarken Jahrgänge aus den Dreißigerjahren ihre Vermögen vererben.

Der Ökonom Guy Kirsch hat jetzt einen radikalen Vorschlag gemacht, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen.

Der emeritierte Professor der Universität Freiburg (Schweiz) fordert eine Erbschaftsteuer von 100 Prozent - was bedeutet, dass es keine Erbschaft im herkömmlichen Sinne mehr geben würde. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Ein Unding, dass Tote über das Leben der Lebenden entscheiden

Kirschs Konzept: Die Erlöse sollen in einen speziellen Fonds ("Trust") fließen. Dieser soll dazu verwendet werden, Erbschaften auszuzahlen, und zwar für alle Erbberechtigten die gleiche Summe, unabhängig davon, ob die Eltern oder Großeltern eine Milliarde oder gar nichts hinterlassen haben, berichtet das Blatt.

Das alles sei noch kein fertiger Plan, sondern ein "Versuch, in die richtige Richtung zu denken", zitiert die "SZ" Kirsch. Er verstehe sich als "individualistischer Liberaler", so der Ökonom.

"Der Liberalismus geht davon aus, dass mit jedem Individuum das Leben neu beginnt", sagt er. Was er damit meint: Jeder Mensch soll ohne ein leistungslos erworbenes Vermögen ins Leben starten. So oder so ähnlich könnte man seine Idee verstehen.

"Es ist schlicht ein Unding, dass die Toten über das Leben der Lebenden entscheiden", zitiert ihn die "SZ" wieder.

Die Debatte um die Erbschaftssteuer spaltet Deutschland seit langem. Auch Gewerkschaftler forderten im vergangenen Jahr in einem Appell an die Bundesregierung, "Superreiche" nicht erbschaftssteuerfrei zu stellen.

Gegner radikaler Forderungen nach einer Erhöhung der Erbschaftssteuer führen an, dass dadurch Familienunternehmen und Arbeitsplätze gefährdet würden.

In der Schweiz hatten im vergangenen Jahr Hunderte Gegner der Erbschaftssteuer mobil gemacht und vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für mittelständische Unternehmen gewarnt.

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