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26/01/2016 06:24 CET | Aktualisiert 26/01/2016 10:45 CET

Rästelhaft: Patient mit Depression, die keine war

Wavebreakmedia Ltd via Getty Images
Nicht immer ist Müdigkeit und Antriebslosigkeit gleich eine Depression

Lustlos, müde und erschöpft hat sich eine 54-jährige Französin gefühlt, die daraufhin von ihren Ärzten als depressiv eingestuft wurde. Schließlich gelten Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Apathie als Symptome für eine Depression. Das muss aber nicht immer der Fall sein, wie der Spiegel Online berichtet:

Die Frau hat fünf Monate lang Antidepressivum zu sich genommen. Allerdings hat sich nichts an ihrer Wesensveränderung getan. Auch Ärzte der Universitätsklinik Caen haben zunächst keine andere Ursache für ihre Reizbarkeit und Sensibilität gefunden. Internistische und neurologische Untersuchungen waren unauffällig. Die Laborwerte waren normal und auch an ihrem Gewicht hat sich nichts geändert.

Nach einem zweiten Therapieversuch mit Antidepressivum haben sich ihre Symptome verschlimmert. Nun leidet die Patientin auch an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen und hegt Suizidgedanken. Die meiste Zeit verbringt sie nun wach im Bett.

Antidepressivum wirkte nicht

Erst auf Nachdruck ihres Ehemannes haben die Ärzte weitere Nachforschungen angestellt. Er berichtete ihnen von Erinnerungslücken seiner Frau. Daraufhin haben die Ärzte einen Test veranlasst, der die kognitiven Fähigkeiten der Patientin ermittelt und zur Diagnose einer Demenz dient.

Ab einem Wert von 24 kann man sicher von einem geistigen Abbau ausgehen. Die Frau erreichte lediglich einen Wert von 19. Weitere Tests zeigen, dass ihre sprachlichen und visuellen Fähigkeiten abgenommen haben, sie kaum rechnen, planen und umsetzen kann.

Tumore im Gehirn als Ursache

Eine Computertomographie (CT) und Kernspinaufnahme des Kopfes zeigt, dass mehrere gutartige Tumore (Meningeome) auf ihr Gehirn drücken. Ein größerer davon befindet sich auf der linken Seite des Stirnlappens. Dort werden Aufmerksamkeit und Antrieb gesteuert. Dies erklärt also einen Teil ihrer Symptome.

Die Symptome variieren abhängig von der Stelle des Gehirns, an welche Druck ausgeübt wird. Neben Seh- und Hörstörungen, können auch Depressionen, Halluzinationen, Angststörungen und Apathie ausgelöst werden. Allerdings sind diese Tumore vergleichsweise schwer festzustellen.

Behandlung in Deutschland

Trotz, dass die Tumore gutartig sind, müssen sie operativ entfernt werden. Dieser Eingriff ist nicht ungefährlich. Bei der Patientin ist die Operation gut verlaufen und die Symptome haben sich nach einem Monat zurückgezogen.

Dieser Fall wird in dem Buch "Ein rätselhafter Patient" behandelt. Die Autoren Dennis Ballwieser und Heike Le Ker diskutieren darin ebenfalls, dass ein CT auch vor der Diagnose einer Depression durchgeführt werden sollte. Derweil wird eine derartig intensive Untersuchung in Deutschland erst veranlasst, wenn das Antidepressivum nicht wirkt, oder sich die Symptome verschlimmern.

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