POLITIK
25/01/2016 23:34 CET | Aktualisiert 26/01/2016 02:51 CET

"Generalprobe für größere Anschläge": Terrorexperten warnen - die Attacken in Paris waren nur der Anfang

Deutsche Polizisten sichern den Münchener Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung
DPa
Deutsche Polizisten sichern den Münchener Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung

Die Terrorismus-Gefahr ist größer denn je. Der Terror-Forscher Peter Neumann schätzt das Risiko eines Anschlags größer als je zuvor in den vergangenen zehn bis 15 Jahren ein. Im Interview mit der Deutschen Welle sprach sich Neumann am Montag für eine deutlich intensivere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden und einen konsequenten Informationsaustausch aus.

Europa müsse sich auf diese Gefahr vorbereiten. Neumann, Experte für Terrorismus-Forschung am Londoner King's College, forderte zudem eine stärkere Prävention, um junge Menschen vor einem Abgleiten in den Terrorismus zu bewahren. "Die Vorbeugung muss besser werden."

Dieser geheime Code soll das nächste Anschlagsziel des IS verraten

Als Täter sieht er vor allem junge muslimische Europäer. Es sei bekannt, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gezielt junge Leute ausbilde, "die aus Europa kommen und später in Europa Anschläge verüben sollen". Neumann verwies auf die Anschläge im November in Paris. "Wir werden ähnliche Attacken in anderen europäischen Städten sehen", so der Wissenschaftler.

Zuvor hatte bereits die europäische Polizeibehörde Europol gewarnt. Auch sie hält die Gefahr von neuen Anschlägen des IS in Europa für sehr konkret. Vor allem in Frankreich sei die Gefahr groß, teilte die Behörde mit. Die Terroranschläge von Paris vom November 2015 markierten Europol zufolge eine deutliche Wende der IS-Strategie.

Die Anschläge von Paris seien eine Probe für noch größere gewesen. "Der Europol-Bericht liest sich als Zusammenfassung jener Erkenntnisse, die man durch die Terroranschläge von Paris gewonnen hat", sagt Terrorismusexperte Rolf Tophoven "Focus Online". "Sie waren eine Generalprobe für größere Anschläge mit Kriegswaffen. Dennoch: Es gibt keine konkreten Beweise, lediglich Verdachtsmomente."

Der IS nehme sich Spezialeinsatzkräfte der Polizei zum Vorbild. Die von Europol gesammelten Informationen deuten darauf hin, dass der IS ein Kommando für Einsätze außerhalb seines "Kalifats" in Syrien und Irak gebildet hat. Es werde "für Angriffe nach Vorbild von Spezialeinsatzkräften in einem internationalen Umfeld trainiert", heißt es in dem Bericht. Tatsächlich habe der IS gezeigt, dass er über die Möglichkeit verfüge, "zu jeder Zeit fast jedes mögliche ausgewählte Ziel anzugreifen".

Die Islamisten haben ihren eigenen Terror-Stil entwickelt. Tophoven sagt: "Mumbai 2008 und Paris waren Blaupausen für weitere Operationen, in denen mehrere terroristische Kleingruppen im Stile von Spezialeinheiten mehrere Ziele in einer gleichzeitigen Aktion, perfekt koordiniert in der Kommunikation, zuschlagen." Der Terrorismusexperte weiter: "Das ist der neue Stil. Dabei wählen sie weiche Ziele: Massenansammlungen, Bahnhöfe, Flughäfen, Theater oder Konzertsäle. Angriffe auf Ziele wie Atomanlagen sind vom Aufwand her viel zu kompliziert."

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