POLITIK
25/01/2016 10:37 CET | Aktualisiert 26/01/2016 07:42 CET

Das sind Merkels mögliche Nachfolger, sollte die Kanzlerin stürzen

Merkel weiß vermutlich am besten, wie sich das anfühlt: der Gedanke, zu meutern.

1999 veröffentlichte sie einen Brief in der „FAZ“, der zum Bruch zwischen der CDU und Helmut Kohl führen sollte, der die Partei 25 Jahre geführt hatte und 16 Jahre Kanzler gewesen war.

Die Worte Merkels von damals könnten aus dem Brandbrief stammen, den vor einer Woche CDU-Politiker an sie gerichtet hatten.

In ihrem Brief hatte Merkel geschrieben: Kohl habe seiner Partei „Schaden hinzugefügt“. Sein Wort stehe gegen „Recht und Gesetz“. Die Partei müsse auch ohne Helmut den Kampf mit dem politischen Gegner aufnehmen.

Ohne diesen Brief hätte sich die CDU vermutlich nicht so schnell vom omnipräsenten Kohl getrennt – und Merkel wäre nicht Parteichefin und später Kanzlerin geworden.

17 Jahre später droht nun Merkel Kohls Schicksal. Wie 1999 auch riecht es wieder nach Putsch.

Es riecht nach Putsch - wieder einmal

Kohl stürzte seine Partei mit der Spendenaffäre in die bis dato schwerste Krise - er, der zuvor durch die Wiedervereinigung unerhörte Popularität genossen hatte. Nun ist es Merkel, die ihre Partei mit ihrem Kurs in der Flüchtlingsfrage in die Krise manövriert – nachdem sie die CDU zu ungeahnter Popularität zurückgeführt hatte.

Mafiöse Verschwiegenheit

Es nicht ganz fair, die fast mafiöse Verschwiegenheit Kohls mit der Entscheidung Merkels zu vergleichen, die Grenzen offen zu halten. Kohl war damals auch kein Kanzler mehr. Aber: Es steht nicht gut um Merkel. Minister wenden sich gegen sie, die Umfragewerte sinken, die Union ist keine Union mehr, sondern gespalten. Sie teilt sich auf in Merkel-Befürworter und Gegner.

„Merkel bleibt nicht mehr viel Zeit“, sagt etwa der Politik-Experte Heinrich Oberreuter im Gespräch mit der Huffington Post. Er bezeichnet Merkels Ablöse als eine „realistische Möglichkeit“ – und zwar dann, wenn der Absturz der Partei weitergeht.

„Wenn ihr europäischer Kurs nicht funktioniert und die CDU bei den Landtagswahlen im März einen spürbaren Verlust hinnehmen muss, ist Merkel herausgefordert“, sagt Oberreuter. „Merkel kann ihren Kopf nur retten, wenn sie ihren Kurs ändert.“ Denn ihre Popularität schütze die CDU am Wählermarkt nicht mehr – und Merkel nicht vor einem Nachfolger.

Doch wer kommt überhaupt in Frage? In der Debatte fallen immer wieder folgende vier Namen.

Julia Klöckner

Julia Klöckner, sie ist sicher die große Hoffnung der Union. Als Merkel ihren Namen während ihrer Rede auf dem Parteitag nennt, gibt es den fast lautesten Applaus. Sie beherrscht die Schlagzeilen, hat mit dem Burka-Verbot eine politische Lücke in der Flüchtlingskrise gefunden, in der sie sich profilieren kann, ohne der Kanzlerin zu schaden. Und ihrem Plan A2 wird jetzt schon angedichtet, dass sie der Kanzlerin Konkurrenz machen will.

Aber ist sie für den höchsten Polit-Posten des Landes gewappnet?

Man darf nicht vergessen: Klöckner wird auch deswegen von ihrer Partei so hofiert, weil sie eine Wahl gewinnen muss. Und jedem in der Parteispitze ist klar: Eine CDU-Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz wäre ein hoffnungmachendes Symbol, das über Eifel und Westerwald herausstrahlt. Wahr ist auch, dass Klöckner neben ihrem CDU-Vizeposten kaum bundespolitische oder gar europäische Verantwortung und Erfahrung hat.

klöckner

Klöckner als Kanzlerin, das ist zu früh, denken viele in der CDU. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie rasch auf Merkel folgen könnte. Aber sollte die Kanzlerin im Amt bleiben, Klöckner Ministerpräsidentin werden, einige Jahre erfolgreich regieren, wird sie auf der Liste der möglichen Nachfolgerinnen ganz oben stehen.

Ursula von der Leyen

Vor einem Jahr galt von der Leyen noch als die große Nachfolgehoffnung der Union. Doch in der Flüchtlingskrise ist es um die Verteidigungsministerin erstaunlich ruhig geworden.

ursula von der leyen

Sie konzentriert sich auf ihr Pflichtprogramm: Krieg - gegen den Terror. Ein Grund könnte ihre Loyalität zur Kanzlerin sein. Ein anderer, dass sie wegen ihrer Doktorarbeit lieber nicht aus der Offensive kommt.

Dass sie Merkel im Falle eines Rücktritts folgen könnte? Sehr unwahrscheinlich.

Thomas de Maizière

Selbst in der CDU-Spitze lästert man über den Innenminister, der in entscheidenden Momenten immer versagt hat. Ihm wird die Fähigkeit abgesprochen, eigenmächtig zu entscheiden und zu handeln. Kurz gesagt: De Maizière kann nicht regieren. Die spannende Frage ist nicht, ob de Maizière Merkel nachfolgen kann. Sie ist, warum er überhaupt noch im Amt ist.

thomas de maiziere

De Maizière müsste ein ungeheuerliche Wandlung in wenigen Wochen durchmachen, um überhaupt als Nachfolger in Frage zu kommen. Dass das möglich ist, hat Merkel persönlich bewiesen. Es gibt viele Fronten, an denen er seine Tatenkraft beweisen kann: An den Grenzen ist Chaos. Die Polizei fühlt sich im Stich gelassen. Hinter der Silvesternacht von Köln gibt es nach wie vor ein großes Fragezeichen. Alles de Maizière Baustellen. Herr Bundesinnenminister, übernehmen Sie!

Wolfgang Schäuble

Seit Monaten fällt immer wieder ein Name auf die Frage, wer Merkel nachfolgen könnte: Wolfgang Schäuble. Der Kanzler der Reserve, 73, traut sich das Amt jedenfalls selbst zu: Adenauer war auch so alt, als er die Regierungsverantwortung übernahm, sagte er kürzlich.

schäuble

Schäuble hat Merkel in den Umfragen zum beliebtesten Politiker längst überholt – der Bundesfinanzminister führt das Ranking mit einem gewaltigen Vorsprung an. Er ist der CDUler mit der größten Erfahrung. Vermutlich ist er auch der Politiker, der derzeit mehr Vertrauen und Verbündete in den eigenen Reihen hat als die Kanzlerin.

Er ist der Mann, der einen Politikwechsel vermutlich am schnellsten und effektivsten durchsetzen könnte, wenn Merkel nicht mehr möchte. Dass er dazu den Willen hat, steht außer Frage. Schäuble hat sich schon als Innenminister als Hardliner profiliert – neben ihm macht Amtsinhaber de Maizière die Figur eines hemdsärmeliger Aktenkofferträgers.

Dass er einen eisernen Willen hat, hat Schäuble als Finanzminister in der Euro-Krise und mit dem Haushaltsüberschuss nach Jahren Schuldenmacherei bewiesen. Wie viele Politiker wären schon bei dem kleinsten Widerstand eingeknickt, wissen doch selbst Kämmerer, wie laut Frösche quaken, wenn der See abgepumpt wird.

Hinzu kommt: Die Zahl seiner Statements, Interviews und Hintergrundgespräche, in denen er Alarm macht, wird fast jeden Tag größer.

An Schäubles Format kommt in der CDU außer Merkel keiner vorbei. Das macht ihm zum einzigen realistischen Kandidaten auf Merkels Nachfolge. Ihm ist auch durchaus zuzutrauen, eine Wahl zu gewinnen, sollte Schäuble während der Amtszeit übernehmen.

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