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25/01/2016 11:07 CET | Aktualisiert 28/02/2016 07:46 CET

Esoterik: Warum Menschen an Geister und Hellsehen glauben

Vom Glauben an die Macht der Edelsteine über Handlesen oder Wahrsagen wird zu Esoterik gezählt.
Ugurhan Betin via Getty Images
Vom Glauben an die Macht der Edelsteine über Handlesen oder Wahrsagen wird zu Esoterik gezählt.

Die Esoterik ist so etwas wie die demokratischste Form der Religion. Denn jeder kann glauben, woran er will. Und was ist das? Hierauf eine Antwort zu geben ist nicht leicht.

Denn es ist schwer, Esoterik wirklich zu definieren: Denn eigentlich handelt es sich nur um geheimes Wissen, das Eingeweihten zugänglich ist. Was dieses Wissen genau ist und wer zu den Eingeweihten gehört, bleibt offen. Darum ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Esoterik ein großes Feld spiritueller Praktiken umfasst.

Vom Glauben an die Macht der Edelsteine über Handlesen oder Wahrsagen wird allgemein vieles dazu gezählt. Allen Riten gemeinsam ist, dass sich der Esoteriker abseits jeder Religion oder Institution mit dem eigenen Selbst auseinandersetzt. Darum hat die Esoterik auch großen Zulauf. Denn jeder kann die Praktiken erlernen. Es geht nur um den Menschen und er muss sich niemandem unterordnen. Kritiker sprechen deswegen oft von einer neuen Form des spirituellen Narzissmus.

Esoterik als moderne Sinnsuche

Weniger kritisch betrachtet ist esoterisches Handeln eine Suche nach sich selbst und Ordnung im Chaos. Esoterik will deshalb nichts Böses und an sich auch keinen Gewinn erzielen - außer für die eigene Persönlichkeit. Damit steht sie in einer spirituellen Tradition, die so alt wie die Menschheit selbst ist.

War diese Tradition früher nur Lesekundigen und ausgewählten Männern zugänglich, kann sich heute jeder mit dem alten Wissen aus Talmud, Okkultismus und Naturglauben auseinandersetzen. Damit ist Esoterik quasi eine demokratische Form der Religion, in der jeder seinen Platz findet.

Allen Lehren gemeinsam ist, dass sich der Suchende völlig öffnen muss - seinem Geist, der Natur oder dem Körper. Durch Meditation und Rituale findet er Antworten auf dringende Fragen oder erhält Einblick in ihm verborgene Zusammenhänge. Damit kann esoterisches Handeln eine Art Selbsttherapie sein und gleichzeitig den Horizont erweitern. Allerdings bleibt es eben unklar, welcher Horizont dies ist.

Esoterik als sinnentleerte Massenware

Gerade, weil Esoterik ohne Götter und die Gemeinschaft auskommt, ist es eben keine Religion. Diese Offenheit macht es auch zum Spielfeld von Scharlatanerie und Geldmacherei. Besonders an der Schwelle zum 19. Jahrhundert gab es eine regelrechte Esoterik-Hysterie, bei der sich angebliche Spiritisten mit Geisterbeschwörung, Gläserrücken und anderen Gruseligkeiten in der besseren Gesellschaft etablierten.

Nicht anders erging es den Menschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, als vor allem Hollywoodstars mit der Kabbala nach Sinn und Lebensführung suchten. Auch der - vor allem in der westlichen Welt häufig sinnentleert und oberflächlich betriebene - Yoga-Hype und damit zusammenhängende Phänomene haben die Esoterik wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt. Nicht wenige kritisieren dabei den Ausverkauf alter Kulturpraktiken und gewachsener quasi-religiöser Strukturen.

Fest steht aber: Esoterik ist ein Milliardengeschäft geworden, weil sie wie ein Buffet für jede Glaubenstendenz das passende Ritual bereithält. Wer selbst keine philosophische Vorbildung hat, kann sich in kundige Hände begeben, kann die nötigen Utensilien erwerben oder Kurse belegen. Darum finden sich heute auf dem Markt sehr viele esoterische Anbieter, die häufig widersprüchliche Lehren zu ein und derselben Sache verkaufen.

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