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22/01/2016 08:02 CET | Aktualisiert 22/01/2016 10:18 CET

Mönchengladbach: "Vergewaltigung hat so nicht stattgefunden"

dpa
Der Täter hat sich gestellt - jetzt läuft gegen das Opfer ein Verfahren.

Ein Unbekannter Mann mit "ausländischen Aussehen" soll Mitte Januar in Mönchengladbach ein 15 Jahre altes Mädchen erst längere Zeit verfolgt und dann mitten in der Stadt über sie hergefallen sein. Nach den Übergriffen in Köln machte der Fall bundesweit Schlagzeilen.

Tagelang fahndete die Polizei nach dem Täter. Dann stellte sich der Täter. Jetzt aber kam es zu einer unerwarteten Wende in dem Fall. Die Polizei ist sich sicher: "Die Vergewaltigung am Platz der Republik hat so nicht stattgefunden."

Der 20 Jahre alte Mann hatte sich gestellt, nachdem er das Fahndungsfoto auf Facebook gesehen hatte. Der Gladbacher ist gebürtiger Inder, lebt aber seit Jahren in Deutschland. Im kommenden Jahr möchte er sein Abitur machen und könnte - wie er selbst sagt - dann auch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen.

Der Polizei ist er bis dahin noch nie aufgefallen. Das berichtet die Tageszeitung "Rheinische Post". Auch jetzt streitet er jede Straftat ab.

Gegenüber den Ermittlern betonte er, dass es einvernehmlich zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Er habe keinerlei Gewalt angewendet. Solche Vorwürfe hatte er bei der Vernehmung vehement bestritten. Das teilte die Polizei am Freitag mit.

Daraufhin wurde das vermeintliche Opfer nochmals zur Vernehmung geladen. Als dann der Tathergang rekonstruiert werden sollte, kamen den Beamten deutliche Zweifel an der Aussage der 15-Jährigen. Sie gab letztlich zu, bei entscheidenden Details gelogen zu haben. Nun wird gegen das Mädchen ermittelt - wegen Vortäuschung einer Straftat.

Im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook wurde das Fahndungsbild des Gesuchten vielfach geteilt. Bereits damals war bekannt, dass er einen ausländischen Akzent haben soll. Rechte Hetzseiten sprachen von einer Vergewaltigung durch einen "Flüchtling". Die Polizei berichtet von hasserfüllten Kommentaren. Zudem zogen selbsternannte "Bürgerwehren" durch Mönchengladbach, darunter auch Hooligans.

Seit den Silvester-Übergriffen in Köln durch nordafrikanische Männer ist die Stimmung in Deutschland gegen ausländische Sexualstraftäter besonders gereizt. Auch galt der Tatort in Mönchengladbach - der Platz der Republik - Mitte 2015 als Brennpunkt für Kriminalität. Schwarzafrikaner sollen dort mit teils aggressiven Methoden Rauschgift (auch an Minderjährige) verkauft haben. Das berichtet "RP Online". Aber damit hat der gesuchte Schüler wohl nichts zu tun.

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