POLITIK
22/01/2016 02:57 CET | Aktualisiert 22/01/2016 02:59 CET

WDR-Journalistin Zimmermann: "Natürlich habe ich Angst, entlassen zu werden"

WDR Studio in Düsseldorf
Hans-Peter Merten via Getty Images
WDR Studio in Düsseldorf

Die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann steht in der Kritik. In einer niederländischen Radioshow hatte sie gesagt, dass öffentlich-rechtliche Sender angewiesen seien, positiv über die Regierung zu berichten. Später sagte sie, diese Äußerung sein nicht richtig gewesen. Sie sei nie aufgefordert worden, in einer bestimmten Weise zu berichten.

Jetzt versucht sie zu erklären, wie es zu der unglücklichen Aussage kam. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" sagte sie: "Das war sehr unüberlegt. Und das war mein missglückter Versuch, auf Niederländisch zu erklären, was in Deutschland öffentlich-rechtliche Sender und Rundfunkräte für Organe sind."

Sie habe versucht, Niederländern das deutsche Rundfunksystem zu erklären. Das Problem sei gewesen, zwei Systeme miteinander zu vergleichen, die man nicht so leicht vergleichen kann. "Ich habe versucht, den Pressekodex in Niederländisch zu erklären. Wir dürften die Herkunft der Täter nicht nennen, wenn es keinen Zusammenhang zur Tat gäbe, zum Beispiel. Ich habe mich falsch ausgedrückt, und das tut mir sehr leid."

Trotzdem habe es eine Art ungeschriebene Regel gegeben. Journalisten haben Täter, wenn sie Ausländer waren, nur selten als solche bezeichnet. "Unausgesprochen haben sich fast alle Journalisten über Jahre einen Maulkorb auferlegt, so wie auch die Polizei und die Politik. Wir haben doch alle die Tatsachen verschwiegen, political correctness falsch verstanden." Nach Köln habe sich dies geändert.

Sie habe empfunden, dass von Journalisten erwartet wird, in einer bestimmten Weise zu berichten. "Es gibt auch eine gefühlte Wirklichkeit. Ich habe das eben so empfunden, dass man als Journalist in diesen Monaten, als die Flüchtlinge kamen und manche dann auch straffällig wurden, nicht allzu kritisch berichten sollte." Jetzt wisse sie nicht, wie es weiter geht: "Natürlich habe ich Angst, dass ich entlassen werde."

Zimmermann hatte einen kleinen Skandal ausgelöst. In der niederländischen Sendung sagte sie zur Berichterstattung über Flüchtlinge: "Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab."

Später sagte sie, es sei ein Missverständnis gewesen.Nach einem Gespräch mit dem Sender erklärte Zimmermann nach WDR-Angaben: "Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft." Dann wurde sie konkreter: "Ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen."

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