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21/01/2016 06:48 CET | Aktualisiert 22/01/2016 10:22 CET

Eine Mutter trank Alkohol in der Schwangerschaft. So geht es ihrer Tochter mit 43

Sie trank Alkohol in der Schwangerschaft. So sieht ihre Tochter mit 43 aus.
Alice Kandell via Getty Images
Sie trank Alkohol in der Schwangerschaft. So sieht ihre Tochter mit 43 aus.

Mittlerweile ist es weitgehend bekannt, aber nach wie vor umstritten: Alkohol in der Schwangerschaft soll lebenslange Folgen für das Kind haben. Der Berufsverband der deutschen Frauenärzte rät von jeglichem Alkoholkonsum ab und warnt vor psychischen Schäden beim Kind.

Vor 43 Jahren gab es diese Warnungen auch schon – wenn sie auch damals noch nicht wissenschaftlich fundiert waren. Kathy Mitchell wusste nichts davon. Sie war ein Teenager und schwanger mit ihrer Tochter Karli. Und sie trank Alkohol. In der Online-Ausgabe der Washington Post erzählt sie, welche Konsequenzen das für sie und das Leben ihrer Tochter hatte.

Karli ist heute 43 Jahre alt – und hat die geistige Reife einer Erstklässlerin. Sie sammelt Puppen und Taschen, und malt auf Hello Kitty-Büchern.

Fetales Alkoholsyndrom (FAS) nennt man diese Schädigung. Wenn eine schwangere Frau Alkohol konsumiert, gelangt er über die Plazenta auch zum ungeborenen Kind. Alkohol ist ein Gift, das sich negativ auf die Zellteilung auswirken kann.

Besonders oft ist das Zentrale Nervensystem des Fötus negativ betroffen. Geistige Zurückgebliebenheit kann eine Folge sein. Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung tritt FAS bei 30-45 Prozent der Kinder auf, deren Mütter während der Schwangerschaft Alkohol konsumierten.

"Was wäre passiert, wenn ich damals keinen Alkohol getrunken hätte?"

Die heute 43-jährige Karli hat nicht das Bewusstsein, die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit, die man bei Frauen in ihrem Alter für selbstverständlich erachtet. Sie weiß, dass sie an der Ampel stehen bleiben muss, würde aber vor ein Auto laufen, sobald die Ampel ausfällt. Sie trägt gerne hübsche Kleider, aber vergisst, sich die Zähne zu putzen.

„Ich vergöttere meine süße Tochter, sie wird immer ein unschuldiges Kind bleiben. Aber es vergeht nicht ein Tag, an dem ich mich nicht frage, was passiert wäre, wenn ich damals keinen Alkohol getrunken hätte“, sagt sich ihre Mutter Kathy.

Kathy begann zu trinken, als sie 12 Jahre alt war. In der 10. Klasse wurde sie schwanger. Sie heiratete den Vater ihres Kindes und verließ die Schule. Sie brachte einen gesunden Jungen zur Welt und wurde 9 Monate später wieder schwanger, diesmal mit Karli. „Wenn du ein dickes fettes Baby möchtest, trink täglich ein Bier“ oder „Rotwein ist gut für das Blut des Babys“, sagten damals die Leute zu ihr. Und das tat sie, mehrmals in der Woche.

Schwanger? So bleibt euer Baby gesund

Fetales Alkoholsyndrom hat viele Gesichter

Das Fetale Alkoholsyndrom kann sich durch verschiedene Symptome beim Kind äußern. Einigen Kindern sieht man sie schon im Gesicht an: Hängende Lider, eine dünne Oberlippe, fehlende Muskelkraft.

Manche Kinder haben dadurch ein verzögertes Wachstum, manche leiden an ADHS, manche an Sehschwächen. Die Schäden sind irreparabel.

In Karlys Fall wussten die Ärzte zunächst nicht, dass ihre geistige Zurückgebliebenheit mit dem Alkoholkonsum ihrer Mutter in der Schwangerschaft zusammenhing. Stattdessen wurde Kinderlähmung bei ihr diagnostiziert.

Kathy wurde noch dreimal schwanger und trank und rauchte während jeder ihrer Schwangerschaften. Hinzu kam eine Heroinsucht. Ein Kind kam gesund zur Welt, die beiden anderen starben – eines bei der Geburt, das andere nach 10 Wochen.

Wissenschaftliche Erkenntnis kam zu spät

Sie beschloss, ihr Leben von Grund auf zu ändern, wies sich in eine Entzugsklinik ein und wurde später selbst Suchtberaterin. Im Zuge ihrer Tätigkeit hörte sie erstmals davon, welche Auswirkungen der Konsum von Drogen oder Alkohol auf ungeborene Kinder haben kann.

Auch wenn es nach wie vor widersprüchliche Studien darüber gibt, welche Auswirkungen Alkohol in der Schwangerschaft tatsächlich auf die ungeborenen Kinder hat: Kathy Mitchell möchte die Geschichte ihrer Tochter mit der Welt teilen, um andere werdende Mütter davon abzuhalten, denselben Fehler zu begehen.

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