NACHRICHTEN
21/01/2016 15:42 CET | Aktualisiert 21/01/2016 16:55 CET

"Kein Persilschein": WDR-Freie weigern sich, offene Erklärung zu unterschreiben

ullstein bild via Getty Images
(GERMANY OUT) Germany North Rhine-Westphalia Cologne - Westdeutscher Rundfunk WDR tv station, building with logo (Photo by JOKER / Helmut Metzmacher/ullstein bild via Getty Images)

Alles begann mit dieser Aussage: "Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten", sagte WDR-Journalistin Claudia Zimmermann in einer Diskussionsrunde des niederländischen Radios vor wenigen Tagen – und stieß damit eine Debatte über die Unabhängigkeit von öffentlich-rechtlichen Sendern an.

Auch wenn Zimmermann ihre Aussage kurz darauf zurücknahm – die Debatte bleibt. Das zeigt sich nun auch an der hitzigen Diskussion um einem offenen Brief der freien WDR-Journalisten.

Eigentlich war geplant, dass alle WDR-Freien das Dokument unterzeichnen und sich so dazu zu bekennen, in ihrer Arbeit nicht beeinflusst worden zu sein. Nur waren scheinbar nicht alle dieser Meinung.

"Warum sollen wir behaupten, eine Zensur findet nicht statt?"

Das soll aus einer Mailing-Liste hervorgehen, die der Nachrichtenseite "Meedia" vorliegt. Laut des Berichts sei eine heftige Diskussion darüber entbrannt, ob der Inhalt des Briefs so zutrifft. Ein Mitarbeiter soll beispielsweise gefragt haben, warum man dem Sender so einen "weitgehenden Persilschein ausstellen" solle.

Ein Anderer gab zu bedenken, dass er nicht wisse, "was täglich befördert, beschlossen und verhindert" werde. "Warum sollen wir behaupten, eine Zensur findet nicht statt, wenn wir es nicht wissen oder wenn wir Anzeichen für das Gegenteil haben?" schlussfolgerte er.

"Wir haben noch nie ein Blatt vor den Mund genommen"

Viele Mitarbeiter gaben außerdem zu bedenken, dass eine Einflussnahme oftmals indirekt erfolgen würde. "Das geht im Alltags-Normal-Fall nicht über Anweisungen, sondern über Atmosphäre. Man lernt, was erwünscht und was nicht erwünscht ist", behauptete ein weiterer WDR-Freier demnach. Ein anderer vertrat ähnliche Ansichten: Freie, die im Geschäft bleiben wollten, könnten versuchen, möglichst das anzubieten, was der Redaktion gefällt, mutmaßte er.

Der Gegenwind hatte durchaus Folgen auf die endgültige Fassung des Briefs, will "Meedia" wissen. In einer frühen Fassung des Schreibens habe es noch geheißen: "Vorgaben politischen Inhaltes sind nie gemacht worden."Im Vorfeld der Veröffentlichung hätten die Autoren des Briefs die Passage dann geändert in “Wir haben noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und lassen uns durch politische Einflussversuche nicht gängeln!“

Der Sender distanzierte sich bereits kurz nach dem Live-Interview von Zimmermanns Aussagen: "Der WDR steht für einen ausgewogenen und unabhängigen Journalismus. Unser breit aufgestelltes Programm zeigt besonders in diesen Tagen, wie umfangreich, unabhängig, kritisch und differenziert wir über die Flüchtlingsproblematik berichten."

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Endlich! Ein Tagesthemen-Kommentator rechnet mit Merkels heuchlerischen Machenschaften ab