WIRTSCHAFT
21/01/2016 10:33 CET | Aktualisiert 22/01/2016 12:20 CET

Hamburg geht einen ungewöhnlichen Schritt, der für ganz Deutschland ein Vorbild sein sollte

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Hamburg

Der Klimawandel wird unsere Welt dramatisch verändern: Gletscher schmelzen täglich, verheerende Umweltkatastrophen häufen sich und auch der Mensch leidet unter der Erderwärmung, da die aufkommende Hitze gesundheitliche Folgen hat.

Angesichts realistischen Schreckenszenarien wie diesem fühlen wir uns oft machtlos:

Bringt es überhaupt etwas, unser eigenes Verhalten zu ändern? Was können wenige Menschen schon ausrichten?

Ziemlich viel, wie eine bemerkenswerte Initiative der Stadt Hamburg zeigt. Dort hat der Senat entschieden, nur noch ressourcenschonend und umweltfreundlich einzukaufen. Den Beschluss hat er in einem 150-seitigen Papier festgehalten.

Das bedeutet konkret: Die Stadt kauft pro Jahr Waren für etwa 250 Millionen Euro - die sollen künftig nur noch nach ökologischen Kriterien ausgewählt werden. Das betrifft Glühbirnen, die ab sofort eine möglichst lange Lebensdauer haben sollen, genauso wie Alu-Kaffeekapseln, die künftig komplett verbannt werden.

Auch wird es für die Mitarbeiter der Stadt Hamburg nur noch recyclingfähiges Kopierpapier geben. Bislang verbrauchen die Angestellten 206 Millionen Blatt pro Jahr, wobei zwei Drittel bereits aus Recyclingpapier waren.

Dieser Vorstoß hat sich bereits gelohnt: Durch den Einsatz von recyclingfähigem Papier konnte die Stadt 285 Tonnen Kohlendioxid vermeiden und 51,9 Millionen Liter Wasser einsparen, teilt die Umweltbehörde mit. Die eingesparte Menge Wasser decke den täglichen Trinkwasserbedarf von knapp 415.000 Einwohnern.

Hamburg ist Vorreiter in Deutschland

Ebenso bemerkenswert: Die Stadt Hamburg möchte erreichen, dass bis zum Jahr 2020 über die Hälfte des Fuhrparks der Hamburger Kernverwaltung Elektro-Fahrzeuge sind - dabei geht es immerhin um 315 Autos. Heute ist bereits jedes vierte Fahrzeug umweltschonend. Auch bei den öffentlichen Unternehmen soll sich die Zahl der E-Fahrzeuge bis dahin verdoppeln.

Hamburg nimmt damit eine Vorreiterrolle ein. Zwar sind Bundesländer wie Bremen, Berlin und Hessen bereits aktiv bei dem Thema ökologische Beschaffung. „Hamburg berücksichtigt aber bereits jetzt die neuesten und aktuellsten Kriterien, also auch die ab April gültige EU-Richtlinie“, sagt Pressesprecher Jan Dube von der Umweltbehörde Hamburg im Gespräch mit der Huffington Post.

Das sieht der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan (Die Grünen) ganz ähnlich: "Das ist ein wichtiges Signal an die Wirtschaft und an Privatleute, künftig noch stärker auf die Folgen einer Kaufentscheidung und auf die Geschichte hinter einem Produkt zu achten“, heißt es in dem Bericht.

Denn die Stadt Hamburg belässt es nicht nur dabei, nach ökologischen Kriterien einzukaufen. Die Lieferanten und Hersteller müssen auch auf gerechte Arbeitsbedingungen achten.

„Wir wollen hier einfach unsere Hausaufgaben machen und zunächst Vorbild sein innerhalb Hamburgs. Wir hoffen, dass sich auch die öffentlichen Unternehmen an dem Leitfaden orientieren - und dass auch die Wirtschaft in diese Richtung geht“, sagt der Hamburger Pressesprecher Dube.

Ein starkes Signal, das angesichts der Klimabeschlüsse von Paris vielleicht gar nicht in allzu weiter Ferne liegt.

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