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21/01/2016 10:58 CET

Angst vor Übergriffen: Diese Gemeinde begeht einen Tabubruch bei Flüchtlingen

Im Zufluchtsort eine Zielscheibe für Rassismus und Hass zu sein - das ist eine Horror-Vorstellung für jeden Flüchtling. Genau das wurde für Asylbewerber in Middlesbrough, England zur Realität.

Vor vier Jahren wurden in der englischen Großstadt die Wohnungstüren von Asylbewerbern mit roter Farbe markiert. Das soll auf Anweisung des von den Eigentümern beauftragten Subunternehmens passiert sein. Mitarbeiter des Unternehmens sollten so sehen können, in welchem Haus Asylbewerber wohnen.

Durch diese Kennzeichnung wusste aber auch jeder fremdenfeindliche Nachbarn über die Bewohner Bescheid. Für rechtsextreme Angriffe wurden die Häuser so zum Ziel.

Bewohner fühlen sich bedroht

„F*** dich, dreckige Frau. Verschwinde aus unserem Land!“, ist nur einer der vielen Sprüche. Die Türen wurden auch mit Eiern und Steinen beworfen.

„Mein Leben ist jeden einzelnen Tag in Gefahr. Wir fühlen uns minderwertig, wir fühlen uns schutzlos“, beschreibt ein Asylbewerber aus dem Sudan die jetzige Situation, „Das, was hier passiert, ist Misshandlung. Ich möchte nur eine Nacht haben, in der ich mich nicht sorgen muss.“ Nachdem er in England 15 Jahre lang von einem Einwanderungszentrum zum anderen geschickt wurde und bereits viel durchmachen musste, möchte er nichts anderes als Frieden.

Eine Nachbarin äußerte sich ebenfalls zu dem Thema: "Es ist falsch zu sagen, dass sie die Türen rot gestrichen haben und Asylbewerber in die Wohnungen gesteckt haben, das ist nicht wahr. Sie haben eben viel Farbe gekauft."

Die Sicherheitsfirma G4S weiß davon. Ebenfalls seit vier Jahren.

Die Häuser gehören der Immobilienfirma Jomast, einem Subunternehmen von G4S, weshalb die Bewohner kein Recht haben, die Türen eigenständig neu zu streichen.

Stuart Monk, der vom Staat jährlich Millionen Pfund erhält, um Asylbewerbern eine Unterkunft zu bieten, sagte: "Viele Grundstücke in Middlesbrough haben rot gestrichene Türen. Ob sie von Asylbewerbern oder privat bewohnt werden, das macht nicht wirklich einen Unterschied.“

G4S und Jomast behaupten, nie Beschwerden von Bewohnern erhalten zu haben, sodass sie nicht vorher eingeschritten sind. Aber ihre Wahl, die Türen rot zu streichen, war für Asylbewerber dennoch keine Hilfe, sich eingliedern zu können.

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