POLITIK
21/01/2016 03:09 CET | Aktualisiert 21/01/2016 03:22 CET

"Terror und Mord": Familie von Paris-Attentäter erstattet Anzeige

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Sie wurde als "Terrorbraut" und "Terroristen-Cousine" bezeichnet. Doch dieses Urteil der Medien könnte voreilig gewesen sein. Die Familie von Hasna Boulahcen, der Cousine des Terror-Drahtziehers Abdelhamid Abaaoud, hat Anklage erhoben.

Der Vorwurf: Terrorismus und Mord. Die Anklage ist bereits am Mittwoch vergangener Woche beim Pariser Anti-Terror-Richter Christophe Teissier eingegangen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Die 26-Jährige war bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis fünf Tage nach den Pariser Anschlägen vom 13. November mit 130 Todesopfern ums Leben gekommen.

Polizisten hatten eine Wohnung gestürmt, in der sich Abaaoud versteckt hielt. Während des Schusswechsels gab es eine Explosion, bei der Boulahcen ums Leben kam. Auch Abaaoud und ein unbekannter Mann starben.

Offenbar will ihre Familie ihren Namen reinwaschen. Ihre Mutter, Schwester und ihr Bruder haben die Anklage erhoben. "Ich betrachte Hasna Boulahcen als ein Opfer", sagte der Anwalt der Familie, Fabien Ndoumou, gegenüber AFP. Sie habe sie "unter dem Druck ihres Cousins" gestanden, der "seine Angehörigen und die Angehörigen seiner Freunde bedroht" habe.

Wie sie ums Leben kam, ist unklar. Zuerst hieß es, sie habe sich selbst mit einer von Islamisten gebastelten Bombe getötet. Mutmaßlich habe sie auch eine möglichst große Zahl von Polizisten töten wollen, so die französische Polizei.

Später änderten die Ermittler ihre Meinung. Sie teilte mit, Boulahcen habe wohl doch nicht selbst den Sprengstoffgürtel gezündet, durch den sie starb. Die Polizei glaubt nun, dass jemand anderes bei der Erstürmung der Wohnung der Verdächtigen durch die Polizei die Bombe gezündet hatte. Der Körper von Boulahcen soll in der Wohnung fast unversehrt aufgefunden worden sein.

Sicher ist, dass ihr Lebenswandel nicht dem einer radikalen Islamisten entsprach. Noch vor einigen Jahren sei sie gerne feiern gewesen und habe viel Alkohol getrunken. Menschen, die Boulahcen kannten, sagen französischen Reportern, sei eine "extrovertierte" Frau gewesen. Ein bisschen "verplant" habe die junge Frau gewirkt."Wir haben sie die Cowboy-Frau genannt, weil sie immer einen großen Hut trug", erinnert sich ein anderer. Irgendwann war ihr das Kopftuch lieber.

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