POLITIK
20/01/2016 17:50 CET | Aktualisiert 21/01/2016 01:54 CET

Merkel fleht CSU an: "Wünschen sie mir wenigstens Glück"

dpa

Offen wie selten zuvor ist der Dissens zwischen der Kanzlerin und der CSU zutage getreten.

Es geht um Obergrenzen für Flüchtlinge, die die bayrische Schwesterpartei unbedingt durchsetzen will – und Merkel strikt ablehnt. Doch einen schnellen Kurswechsel und nationale Obergrenzen werde es mit ihr vorerst nicht geben, sagte Merkel auf der Klausurtagung in Kreuth.

Die Abgeordneten überschütteten die CDU-Vorsitzende daraufhin mit Kritik. „Die Lage ist aus dem Ruder gelaufen“, sagte der bayrische Finanzminister Markus Söder. Die Grenzen offen zu lassen sei ein „schwerer Fehler“.

Und CSU-Chef Horst Seehofer sagte, man wolle zwar nicht die Koalition aufkündigen. Aber: Die Gespräche seien eine Enttäuschung. „Es gab keine Spur des Entgegenkommens. Wir gehen da politisch auf schwierige Wochen und Monate zu“, so Seehofer.

Der Druck auf Merkel ist enorm. Erst am Vormittag ließ Österreich verkünden, die Zahl der Flüchtlinge zu deckeln, die ins Land kommen. Und deswegen beschwor sie auch außergewöhnlich eindringlich die Einheit der CDU und CSU.

„Ich kenne Ihre Sorgen. Aber ich bitte Sie, darüber nachzudenken, dass Ihre Lösung auch nicht ohne Risiken ist“, sagte sie nach Teilnehmerangaben hinter verschlossenen Türen. Merkel warb bei der CSU darum, ihren Weg „wenigstens ein bisschen“ zu begleiten.

Sie wurde mit den Worten zitiert: „Wenn es immer heißt 'das wird nichts', macht mir das die Verhandlungen nicht leichter.“ An die CSU-Abgeordneten gewandt sagte sie, sie würde sich freuen, „wenn Sie mir wenigstens Glück wünschen“. Sie werde ansonsten alles tun für einen guten Zusammenhalt zwischen CSU und CDU, betonte sie.

Das klingt schon fast verzweifelt – aber Merkel hat keine andere Wahl. Sie kann auf die Forderungen nach Obergrenzen noch nicht eingehen, wenn sie gleichzeitig in Europa für eine internationale Lösung wirbt.

Über einen „Plan B“ spreche sie nicht.

Zumindest vorerst. Denn wenn sich Schlüssel-Länder für eine europäische Lösung sperren, bleibt Merkel gar nichts anderes mehr übrig.

Mit Material von dpa

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.