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20/01/2016 07:29 CET | Aktualisiert 21/01/2018 11:33 CET

199 Labore lehnten seine Idee ab. Im 200. machte er eine unglaubliche Entdeckung

XPRIZE Foundation/Flickr
Andraka hat eine unglaubliche Entdeckung gemacht

Jack Andraka verlor schon mit 14 Jahren einen geliebten Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Teenager aus Maryland in den USA trauerte – und er fragte sich, ob dieser Tod nicht hätte verhindert werden können.

Das ist schwierig, denn Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine sehr heimtückische Krankheit.

Diese Krebsart wird oft wegen ihrer unklaren Symptome zu spät erkannt und eine Heilung ist fast unmöglich. Beispielsweise erkrankten im Jahr 2011 rund 16 700 Menschen in Deutschland an Bauchspeicheldrüsenkrebs – und fast genauso viele verstarben auch an diesem Tumor. Nur 8 Prozent der Betroffenen sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Jack wollte das nicht hinnehmen.

Um mit seiner Trauer fertig zu werden, stürzte er sich auf wissenschaftliche Abhandlungen über Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er las alles, was man über diese Krankheit wissen muss. Sein Ziel war, einen Test zu finden, mit dem man den Krebs früher diagnostizieren kann.

Dazu muss man wissen, dass sich Jack leidenschaftlich für naturwissenschaftliche Forschungsfelder interessierte. Er beschäftigte sich immer wieder mit neuen Forschungen aus der Chemie und der Physik – wie beispielsweise der Nanotechnologie. Und er las seine wissenschaftlichen Bücher auch während der Schule im Unterricht – egal ob das mit dem Schulfach zu tun hatte oder nicht.

So las er während des Biologieunterrichts ein Buch über Nanotechnologie. Mit halbem Ohr hörte er, wie der Biologie-Lehrer über Antikörper referierte. Und da hatte Jack eine zündende Idee.

Er brachte alle drei Dinge zusammen: Nanotechnologie, Krebsfrüherkennung und Antikörper. Er war der erste, der auf die Idee kam, Nanotechnologie in diesem Bereich anzuwenden.

Jacks Gedankengang war folgender:

1. Die in der Nanotechnologe oft verwendeten Kohlenstoff-Nanoröhrchen sind winzig, ihr Durchmesser ist 50.000 Mal kleiner als der eines menschlichen Haares. Diese mikroskopisch kleinen Röhren bestehen aus Kohlenstoff und können als eklektische Leiter dienen, wenn man ein Netzwerk aus ihnen bildet. Aber steht die Forschung in diesem Bereich am Anfang.

2. Die Antikörper unseres Immunsystems verbinden sich mit bestimmten Proteinen in unserem Blut.

3. Mesothelin ist ein Protein, das vor allem dann gehäuft auftritt, wenn der Krebstumor sich in einem sehr frühen Stadium befindet.

Jack hatte die brillante Idee, ein Netzwerk aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit Antikörpern zu verbinden, die auf Mesothelin reagieren. Wenn man dieses Konstrukt mit dem Blut eines Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten in Verbindung bringen würde, dann würden die Antikörper in dem Netzwerk an das Mesothelin andocken. Das heißt, die Moleküle in dem Netzwerk würden größer werden und sich damit die elektrischen Eigenschaften ändern. Und diese Änderung kann man sehr leicht messen.

Der Teenager präsentierte seine Idee 200 Laboren.

199 lehnten ab. Der Leiter des 200. Labors sagte Ja: Dr. Anirban Maitra war Professor für Onkologie an der John Hopkins University in Baltimore. Er lud den Teenager ein, in sein Labor zu kommen und Experimente zu machen.

„Es war eine sehr ungewöhnliche Email“, sagte Maitra dem „Smithsonian Magazine“, einem Wissenschafts-Magazin aus Washington. „Ich bekomme nicht oft Emails von Doktoranden – geschweige denn von einem High-School-Schüler.“

So erhielt Jack nicht nur Zugang zu einem gut ausgestatteten Labor, sondern auch Hilfe von Maitras Team. Diese Hilfe war für Jack unschätzbar - immerhin fehlte ihm Labor-Erfahrung und wissenschaftliches Know-How. Doch mit der Unterstützung von Maitras Team legte sich Jack ins Zeug und verbrachte seine gesamte Freizeit mit der Forschung an seiner Idee in dem Labor.

Er tüftelte dort sogar an seinem 15. Geburtstag und an Weihnachten. Seine Eltern zeigten Verständnis für die Leidenschaft ihres Sohnes und fuhren ihn immer in das Labor in Baltimore, das zum Glück nicht weit weg von Jacks Zuhause war.

Und Jacks harte Arbeit zahlte sich aus: Er konnte nach siebenmonatiger Forschung tatsächlichen in einem Test nachweisen, dass seine Idee funktioniert.

Damit wurde Wissenschaftler aus der ganzen Welt auf ihn aufmerksam.

Jack erhielt dadurch im Jahr 2012 den Gordon. E. Moore Award, einen sehr renommierten und mit 75 000 Dollar dotierten Preis.

Der 15-jährige Schüler ließ sich seine Idee patentieren und verhandelte mit den Pharmakonzernen die Lizenzen. Denn nun muss seine Idee die klinischen Tests überstehen und wenn das geschafft ist, kann ein Test auf den Markt gebracht werden. Das kann aber leider noch Jahre dauern, wie Dr. Antiban dem ungeduldigen Teenager erklärte.

Jacks Idee ist also noch in der Testphase – aber möglicherweise in ein paar Jahren bereit zum Einsatz. Damit könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden.

Mittlerweile sind ein paar Jahre vergangen - Jack ist inzwischen 19 Jahre alt und studiert an der Standfort University in Kalifornien. Er hat noch Großes vor, wie er in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender "CBS" erklärte. "Ich will nicht als Laborratte enden, ich will vielmehr immer wieder auf neue Ideen kommen und diese für Tests anbieten.“

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