POLITIK
20/01/2016 14:26 CET | Aktualisiert 21/01/2016 01:59 CET

"Du wirst ein Messer im Bauch haben": Was am Dienstag in Berlin passiert ist, muss Deutschland schockieren

dpa

Für Hannes Kling sollte es eine ganz normale Fahrt mit der Trambahn werden. Der Berliner stieg am Alexanderplatz im Zentrum der Hauptstadt in die Bahn, die ihn an den Rand der Stadt bringen sollte.

Kurz nachdem die Bahn losfuhr, bemerkte Kling aber einen Mann, der vor sich hin fluchte: "Refugees not welcome" sagte er. "Homosexualität gehört verboten". "Das Pack". Und dann eskalierte die Situation.

Denn der Mann begann kurz darauf Flüchtlinge in der Bahn übel zu beschimpfen.

Kling wollte das nicht hinnehmen. Er stellt sich vor den Mann und sagte: "Du verlässt jetzt bitte die Bahn."

Daraufhin brüllte der Mann: "Russen und Deutsche sind jetzt vereint. Wir kriegen dich. Du wirst von den Russen ein Messer im Bauch haben."

Und weiter, wie Kling auf Twitter schreibt:

Das Furchtbare, wie Kling auf Twitter schreibt: Niemand in der vollen Tram unterstützte ihn. Dabei entdeckte Kling auf einem der Nachbarsitze auch einen Polizisten.

Zum Glück endete die Auseinandersetzung ohne Verletzte.

Sicher, die Geschichte von Kling - über die auch die "Berliner Zeitung" berichtet - lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen.

Aber dass sie nicht ganz unwahrscheinlich ist, zeigt ein weiterer Vorfall in Berlin.

Peter B. beobachtete am Bahnhof Ostkreuz, der zu den meistbesuchten in Berlin gehört, wie zwei Männer versuchten, zwei Mädchen zu küssen und sie dann schlugen. Peter B. entschied sich einzugreifen. Das Ergebnis: Peter B. wurde von den Männern attackiert und krankenhausreif geschlagen.

Einer der Täter riss ihn zu Boden, der andere trat ihm mit Anlauf gegen den Kopf. Verhindert das hat niemand. Schlimmeres verhinderte dann aber ein Jugendlicher, der einen der Täter davon abhielt, ein zweites Mal zuzutreten.

Ein Bild der Verletzungen postete Peter B. auf seiner Facebook-Seite:

Liebe Freunde,Ich habe Euch ja die GANZE GESCHICHTE versprochen. Nun sind viele Fakten zusammen. Hier der Artikel in...

Posted by Block 417 & Freunde on Tuesday, January 19, 2016

Die beiden Vorfälle zeigen deutlich: Deutschland ein Problem mit Gewalt. Und mit der Akzeptanz von Gewalt. Zu viele Menschen schauen zu oft weg. Vorfälle wie in Köln sind nur die Spitze des Eisberges.

Das Schlimme daran ist: Jeder Vorfall wie ihn Hannes Kling und Peter B. erlebt haben, senkt die Bereitschaft der Menschen zu helfen. Weil sie wissen: Wir können nicht darauf vertrauen, dass mir jemand zur Seite springt, wenn ich eingreife.

Das ist fatal. Denn besonders nach den Vorfällen von Köln, wo allerorten die Verunsicherung steigt, sich Bürgerwehren bilden, weil das Vertrauen in die Polizei sinkt, müssten die Menschen im Land wissen, dass man einander in brenzligen Situationen hilft.

Auch um Hilfe – wenn auch etwas anderer Art – geht es in diesem berührenden Video:

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