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21/01/2016 07:22 CET | Aktualisiert 21/01/2016 07:40 CET

So profitiert die Mafia von der Flüchtlingskrise

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Flüchtlinge kommen in Sizilien an

Wer profitiert vom Leid der Flüchtlinge? Bislang wurde hier mit dem Finger auf kriminelle Schlepperbanden gezeigt. Doch eine aktuelle Recherche des "Time"-Magazin zeigt: Die Fäden halten andere in der Hand - unter anderem wohl die italienische Mafia.

In Sizilien verdient die kriminelle Organisation demnach Millionen durch die Flüchtlingskrise. Ihre Methoden sind genauso gut strukturiert, wie erschreckend.

Das Geschäft beginnt auf den Flüchtlingsbooten. An einer Überfahrt von Nordafrika nach Sizilien soll die Mafia laut des Berichts pro Flüchtling bis zu 6.000 Dollar verdienen. Ein Boot mit 200 Migranten kann also bis zu eine Million Dollar einbringen.

Die Vermittlung läuft offenbar über ägyptische Menschenschmuggler, die selbst nur einen Bruchteil der Einnahmen behalten dürfen. Das geht aus Polizeidokumenten hervor, die dem Magazin vorliegen. Doch das ist erst der Anfang.

Das Geld für Notunterkünfte fließt in die Taschen der Kriminellen

Was die Behörden erst jetzt entdeckt haben: Scheinbar hat die Mafia sogar Flüchtlingsunterkünfte unter Kontrolle. So zum Beispiel eine Unterkunft im sizilianischen Mineo.

Dort soll von korrupten Regierungsmitgliedern eine Firma, die der Mafia gehört, mit der Versorgung der 4.000 Flüchtlinge vor Ort beauftragt worden sein. Mindestens 98 Millionen Euro im Jahr fließen in das Camp. Wie viel davon in die Taschen der Mafiosi geflossen sind, wird noch untersucht.

Auch außerhalb der Unterkünfte gibt es kein Entkommen. Illegal eingereiste Migranten werden sofort in das Mafia-System aufgenommen. Aus dem Bericht der "Time" geht hervor, dass sie oftmals für den Drogenhandel des Netzwerks benutzt werden.

"Es ist bewiesen, dass die Dealer hier nur mit der Erlaubnis der Cosa Nostra (der Mafia) Drogen verkaufen – und ihnen einen Großteil ihrer Einnahmen abgeben", sagte Maurizio Scalia, Oberstaatsanwalt im sizilianischen Palermo gegenüber der "Time".

Für Frauen sieht die Realität noch grausamer aus. Um für ihre Überfahrt bezahlen zu können, werden laut der italienischen Polizei viele weibliche Flüchtlinge zur Prostitution gezwungen.

Dies wird zwar nicht direkt von der Mafia organisiert, doch Experten vermuten, dass auch dieser kriminelle Sektor Geld an die Organisation abgeben muss - und so am Leid dieser Frauen mitverdient.

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