POLITIK
19/01/2016 02:10 CET | Aktualisiert 19/01/2016 03:44 CET

Polizei dementiert Gerücht in sozialen Netzwerken: 13-Jährige wurde nicht von Ausländern vergewaltigt

dpa
Polizei dementiert Gerücht in sozialen Netzwerken: 13-Jährige wurde nicht von Ausländern vergewaltigt

Es war ein furchtbares Gerücht: Ein 13-jähriges Mädchen aus Berlin-Marzahn war am 11. Januar verschwunden – und soll nach eigener Aussage von ausländisch aussehenden Männern entführt und vergewaltigt worden sein. Lokale Medien hatten berichtet, dass das Mädchen nach Angaben der Familie auf dem Weg zur Schule verschwand. Die Eltern suchten mit Plakaten nach dem Kind.

Diese Geschichte verbreitete sich in sozialen Netzwerken, auch russische Medien haben das Gerücht über das Schicksal des Kindes, das laut deutschen Medienberichten aus einer deutsch-russischen Familie stammen soll, aufgegriffen. Auf einer NPD-Kundgebung behauptete eine angebliche Verwandte des Kindes der "Berliner Zeitung" zufolge, die Polizei habe das nach 30 Stunden wieder aufgetauchte Kind auch noch ausgelacht.

Doch die Geschichte scheint gelogen zu sein. Die Polizei Berlin jedenfalls veröffentlichte am Montag einen Post auf Facebook. Darin bestätigt sie, dass das Kind vermisst gemeldet und inzwischen wieder zurück sei. Allerdings habe es nach jetzigem Stand weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung gegeben.

+++ Information zum Vermisstenfall einer 13-Jährigen +++In den letzten Tagen ist uns aufgefallen, dass das Interesse...

Posted by Polizei Berlin on Montag, 18. Januar 2016

Was den Ermittlungen nach wirklich passierte, werde die Polizei zum Schutz des Kindes nicht veröffentlichen. Auch Ermittlungen gegen die angebliche Cousine solle es nicht geben: "Dass Verwandte Sachverhalte verdrehen oder andere Dinge glauben, ist für uns kein Anlass für ein Ermittlungsverfahren."

Die Geschichte wurde im Netz für Hetze aller Art ausgeschlachtet. Rassisten nutzten sie zur Hetze gegen Ausländer, jene, die Polizei und Presse pauschal der Lüge bezichtigen, sehen sich bestätigt. Insbesondere nach dem späten Bekanntwerden von Details der Übergriffe der Kölner Silvesternacht treffen solche Parolen bei vielen auf offene Ohren.

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Lügen zur Hetze benutzt werden. Während es anfangs im Berliner Fall tatsächlich Unklarheit gegeben haben könnte, hatten Rechte schon im Herbst bewusst Unwahrheiten in die Welt gesetzt, um die Bevölkerung gegen Ausländer aufzubringen. So tauchten gefälschte Behördenbriefe auf, in denen angekündigt wurde, Asylbewerber notfalls in "Ihre Wohnung" einzuquartieren.

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