POLITIK
15/01/2016 09:00 CET | Aktualisiert 15/01/2016 13:02 CET

Libanesische Journalistin kritisiert: Mütter erziehen Jungen zu Machos und Vergewaltigern

Arabische Mutter kritisiert: Mütter erziehen Jungen zu Machos und Vergewaltigern
dpa
Arabische Mutter kritisiert: Mütter erziehen Jungen zu Machos und Vergewaltigern

Wenn Männer Frauen umzingeln, an die Brust fassen … Wer ist dann schuld? Allein die Männer? Eine partriarchale Kultur? Eine Religion? Nach den Übergriffen von Köln kann man jede These hören. Und jede Argumentation hat ein wenig Wahrheit.

Die libanesische Journalistin Joumana Haddad hat in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Zeit" noch eine ganz andere Erklärung: Viele Mütter erzögen ihre Söhne zu Machos.

Die Mutter von zwei 16 und 23 Jahre alten Söhnen behauptet: “Wann immer ein erwachsener Mann ein Nein als Antwort nicht akzeptiert, ist es tatsächlich der kleine, verwöhnte Junge in ihm, der dieses Nein nicht hinnehmen kann.” Wenn ein Mann eine Frau missbrauche, bestrafe der kleine Junge in ihm die Frau, die ihn nicht so hofiere wie ihre Mutter.

Sie schreibt:

"Wenn eure Söhne zu Schlägern, Vergewaltigern, verwöhnten Ehemännern werden, wenn sie also Machos sind, dann hat das nicht nur mit Gesellschaft und Kultur zu tun. Es liegt auch an euch, ihren Müttern."

Haddad prangert eine Erziehung an, die sie für weit verbreitet hält. Eine Erziehung, in der Eltern ihren Kindern Rollenklischees anerziehen. In der sie ihre Töchter zu Zurückhaltung und Sanftheit erziehen und sich gleichzeitig freuen, wenn ihre Jungen extrem selbstbewusstes, dominantes, eben “männliches” Verhalten zeigen.

Haddads These verkürzt. Spitzt zu. Übertreibt. Aber wie an den anderen Erklärungen für die Ereignisse in Köln ist auch an der These Haddads etwas dran.

Probleme mit rollenspezifischer Erziehung sind bei Weitem nicht nur ein Problem anderer Kulturkreise.. So sagte die Soziologin Anne-Laure Garcia der “Morgenpost”, in einer nicht-geschlechtsneutralen Umgebung sei es nicht möglich, die Kinder neutral zu erziehen.

Die Kinder müssten um solche Rollenbilder wissen, wenn sie im Alltag handeln wollten. Denn die Werte in der Welt von morgen stützen sich viel mehr auf Gleichberechtigung, als es heute der Fall ist. Deswegen sollten Eltern versuchen, das Geschlecht nicht in den Vordergrund zu stellen und nicht als Erklärung für bestimmtes Verhalten nutzen.

Auch im Bildungswesen versuchen Experten jetzt schon, die Rollenklischees zu bekämpfen. Beim Schulministerium Nordrhein-Westfalen (NRW) klingt das zwar ein wenig bürokratisch: Lehrer sollten ein "rollenstereotypfreies Lernklima" schaffen und es ermöglichen, "dass Mädchen und Jungen sich auch in Überschreitungen der Rollenklischees erproben

können". Vereinfacht gesagt: Jungen müssen lernen Frauen zu respektieren.

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