POLITIK
15/01/2016 17:50 CET | Aktualisiert 16/01/2016 08:58 CET

Die Angst nach Köln wächst: In welchen Städten der Karneval jetzt auf der Kippe steht

Der Karneval ist ein Sicherheitsrisiko
Thomas Lohnes via Getty Images
Der Karneval ist ein Sicherheitsrisiko

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht debattiert Deutschland über die Sicherheit auf Großveranstaltungen. Besonders in den Fokus rückt hierbei der Karneval, steht doch der Höhepunkt der fünften Jahreszeit unmittelbar bevor.

Und nach dem Versagen der Kölner Polizei stehen die Sicherheitsbehörden nun in ganz Deutschland in der Pflicht, dass sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen. Doch reichen verstärkte Sicherheitsvorkehrungen überhaupt aus oder sollten die Behörden den Straßenkarneval lieber ganz absagen?

So wollen deutsche Städte für ein sicheres närrisches Treiben auf ihren Straßen sorgen:

Die nordrhein-westfälische Stadt Rheinberg (Kreis Wesel) hat sich zu einem ebenso radikalen wie umstrittenen Schritt entschieden: Wegen der Flüchtlingssituation fällt der Karnevalsumzug dieses Jahr aus. „Die Zeit bis Rosenmontag reicht nicht mehr, um die von der Stadt geforderten Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Deshalb haben wir uns entschieden, den Zug abzusagen“, erklärte der Präsident des ausrichtenden Karnevalsclubs.

Auch in Düsseldorf halten sich die Behörden die Möglichkeit einer kurzfristigen Absage des Rosenmontagszugs offen: Wie die "Rheinische Post" berichtet, hätten Sicherheitsexperten ein mehr als 100 Seiten umfassendes Sicherheitskonzept für die Rheinmetropole erstellt, in dem alle vorstellbaren Sicherheitsvorkehrungen durchgespielt würden.

Den Spaß an der fünften Jahreszeit wollen sich die Düsseldorfer allerdings nicht nehmen lassen. "Wir wollen Karneval feiern, wie in all den Jahren auch. Und wir wollen uns nicht in unserem höchsten Gut durch politische Lagen beeinträchtigen lassen", sagte Umzugs-Organisationsleiter Sven Gering gegenüber der "Rheinischen Post".

In Essen und Münster sind Absagen der Rosenmontagsumzüge kein Thema. In beiden Städten will die Polizei nach Angaben der Karnevalsveranstalter allerdings verstärkt präsent sein: "Wir werden unsere Beamten an bestimmten Brennpunkten gut verteilen", sagte eine Sprecherin der Polizei in Münster.

In Essen und Mühlheim gilt während der Karnevalstage eine Urlaubssperre für Polizisten. "Die neue Dimension der Gewalt, die in Köln deutlich wurde, macht es notwendig, dass sich die Polizei bestmöglich aufstellt und vorbereitet ist", teilte der für beide Städte zuständige Polizeipräsident Frank Richter mit. "Ich möchte, dass die Bürger in beiden Städten unbeschwert und angstfrei den Karneval feiern können. Die Polizei wird deutlich präsent sein, um möglichst jede Störung sofort im Keim zu ersticken".

Auch in Köln wurde bereits eine erste Karnevalsveranstaltung abgesagt: Das für den 22. Januar geplante „Kölschfest jung&jeck“ am Südstadion fiel nach Empfehlung der Polizei ins Wasser. Grund für die Absage ist allerdings nicht die Sorge vor Gewalttaten durch Flüchtlinge, sondern die Furcht vor marodierenden Fußball-Hooligans: Findet doch am selben Tag das Drittliga-Spiel zwischen Fortuna Köln und Hansa Rostock statt. Der Polizei würden Erkenntnisse vorliegen, dass sich unter die Hansa-Fans eine große Zahl gewaltbereiter Hooligans mischen könnten.

Zudem gilt auch für Polizei und Bundespolizei während der Karnevalstage in Köln eine Urlaubssperre. Um die Sicherheit in der Innenstadt zu gewährleisten, würden auch Polizei-Auszubildende im Dienst eingesetzt.

Mainz setzt voll und ganz auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen: "Wir werden alles dafür tun, dass wir schöne, fröhliche und sichere Fastnachtstage und Karnevalstage in Rheinland-Pfalz organisieren", erklärte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Die Videokontrollen sollten verstärkt werden, dazu würden verstärkt Beamte mit sogenannten Body-Cams auf Streife geschickt. Zudem sollen mehr mobile Eingreiftruppen unterwegs sein.

Um Vorkommnisse wie in Köln zu verhindern, sind für Frauen beim Rosenmontagszug in Mainz spezielle Rückzugsräume vorgesehen. Ministerpräsidentin Malu Dreyer kündigte außerdem eine "Null-Toleranz"-Strategie gegen Straftäter an.

Auch in Frankfurt am Main wird der traditionelle "Große Frankfurter Fastnachtsumzug" wie geplant am 7. Februar stattfinden. "Die Polizei hat Entwarnung gegeben", teilten die Veranstalter auf Anfrage der Huffington Post mit.

Der größte Karnevalsumzug in den neuen Bundesländern ist der "Zug der Fröhlichen Leute" in Cottbus. Trotz der aktuellen Debatte ist man in der Stadt unbesorgt, dass es trotz der erwarteten 100.000 Besucher am 7. Februar zu größeren Zwischenfällen kommen könnte: "Natürlich haben wir die Ereignisse aus der Silvesternacht im Hinterkopf", erklärte eine Sprecherin der örtlichen Polizei gegenüber der Huffington Post. "Unsere Situation lässt sich mit der in Nordrhein-Westfalen nicht vergleichen. Wir haben ja nur knapp 100.000 Einwohner, in Brandenburg leben ja auch viel weniger Migranten."

Mit Material von dpa

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