POLITIK
15/01/2016 10:49 CET | Aktualisiert 15/01/2016 10:52 CET

Eskalation auf der Straße befürchtet: Düsseldorfer Bürgerwehr gibt auf

dpa
Nach nur einem Spaziergang ist wieder Schluss

Nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht ging alles rasend schnell: In Windeseile hatten sich mehr als 13.000 Menschen der Facebook-Gruppe "Einer für alle, alle für einen...Düsseldorf passt auf" angeschlossen.

Die Idee dahinter war simpel: An den Wochenenden und bei Veranstaltungen wollte man gemeinsam durch die Stadt ziehen und Gewalt gegen Frauen unterbinden. "Schließlich habe ja jeder eine Freundin, Schwester, Mutter, Cousine, Tante, Schwägerin oder Frau", hieß bei den Organisatoren.

Nach nur zwei Wochen haben die selbsternannten "Hilfssherriffs" ihre Tätigkeiten in der Rheinmetropole aber jetzt wieder eingestellt. Der "Kölner Stadtanzeiger" nennt dafür verschiedene Gründe: Der Initiator der Gruppe, Tofigh Hamid, fühlte sich nach eigenen Angaben von der Menge an Sympathisanten regelrecht erschlagen. Obwohl der gebürtige Iraner stets betont hatte, dass seine Bürgerwehr keine politische Ausrichtung habe, wurde er sowohl als Nazi, als auch als Salafist beschimpft.

Um eine Eskalation auf der Straße zu verhindern, entschied sich Hamid nun, nicht mehr in Düsseldorf für Sicherheit sorgen zu wollen: "Die Gefahr besteht, dass jemand von euch in einen politischen Streit verwickelt wird, obwohl wir nur Menschen sind, die für mehr Frieden Ihre Freizeit opfern“, schrieb er in einem offenen Brief.

Wie die Zeitung außerdem berichtet, waren einige der "besorgten Bürger" doch nicht so unpolitisch, wie es der Gründer gerne hätte: Als 50 Teilnehmer am Samstag zum ersten Mal durch die Düsseldorfer Altstadt patrouillierten, sollen sich ein Mitglied des Pegida-Ablegers "Dügida" sowie ein Hooligan von der rechten Vereinigung "Fortuna Terror" der Gruppe angeschlossen haben.

Ironie des Schicksals: Am Samstag musste die Polizei die Bürgerwehr vor Zusammenstößen mit Linken schützen. Auf Facebook gibt sich Tofigh Hamid dennoch kämpferisch: "Wir werden uns neu organisieren, damit wirklich niemand Gefahr läuft verletzt zu werden. Wir haben Bedenken der Bürger und die der Polizei und des Staates wahrgenommen und werden diese verinnerlichen. Es kann nur eine friedliche kooperative Lösung für uns geben.“

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