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15/01/2016 12:41 CET | Aktualisiert 15/01/2016 13:15 CET

Warum Deutschland jetzt das Dschungelcamp braucht

Warum Deutschland jetzt das Dschungelcamp braucht
dpa
Warum Deutschland jetzt das Dschungelcamp braucht

Die vergangenen Monate haben unser Land zerrissen. Themen wie die Flüchtlingskrise, Fremdenhass und Terror-Angst beherrschen unseren Alltag. Und plötzlich klafft selbst zwischen Freunden oder Familienmitgliedern eine Kluft, die Vernunft nicht überbrücken kann. Die einen haben es nun schon immer gewusst. Die anderen fragen bang: Aber ist nicht unsere Pflicht, zu helfen?

Die Deutschen haben sich positioniert und organisiert. Einige haben sich sogar bewaffnet.

All das war lange unvorstellbar. Doch inzwischen scheint sogar die Angst vor gesellschaftlichen Unruhen berechtigt. Deutschland nähert sich immer mehr einem Abgrund, und wir sehen zu.

Es ist Zeit für eine Pause, ein Powerbreak. Eine Zäsur. Ja, verdammt - wenigstens ein anderes Thema, das Medien und Facebook-Nutzer beschäftigt. Denn eines ist klar: So wie jetzt kommen wir nicht weiter.

Da kommt das Dschungelcamp genau zur richtigen Zeit.

17 Tage lang werden die Ekel-Prüfungen, Zickereien und aus Versehen verrutschen Bikini-Oberteile der C-Promis die Schlagzeilen beherrschen. Und die erhitzten Gemüter in diesem Land haben hoffentlich Zeit, sich abzukühlen.

Millionen Deutsche werden dabei zusehen, wie die Camp-Insassen sich freiwillig erniedrigen lassen, in Mittagspausen wird es Diskussionen über Jenny Elvers neueste Dschungel-Alkohol-Beichte geben und in den Kommentarspalten wird die Wut auf Flüchtlinge von der Wut auf die bescheuertste Sendung aller Zeiten abgelöst – wenn auch nur vorübergehend.

Das, was RTL uns in den nächsten Tagen um die Ohren hauen wird, ist wie eine Psychotherapie für unsere müden Geister.

Denn: "Jeder Mensch hat eine wilde und eine schamhafte Seite in sich“, erklärt Psychologe Borwin Bandelow im Interview mit "Focus Online“.

Wir sehen zu, wie Promis stellvertretend für uns ihre wilde Seite ausleben

"Diese wilde Seite in uns wird vom Belohnungssystem des Gehirns gesteuert. Würden wir ihr freien Lauf lassen, würden wir uns extrovertiert, laut, schamlos oder aggressiv verhalten.“

Meistens jedoch unterdrücken wir diese Seite und verhalten uns lieber so, wie die Gesellschaft es von uns erwartet. Und genau das macht die Sendung so beliebt.

Wir sitzen vor den Fernseher und sehen dabei zu, wie Promis stellvertretend für uns ihre wilde Seite ausleben. Wir sehen Emotionen, Skandale, Erniedrigung. Und währenddessen fühlen wir uns so viel klüger und erhabener, dass unser Selbstwertgefühl angenehm gekitzelt wird.

Das gilt übrigens auch für alle, die das Dschungelcamp nicht verfolgen (oder zumindest behaupten, es nicht zu tun): Auch sie fühlen sich intellektueller als die ganzen Idioten, die sich die Ekel-Sendung ansehen.

Das Dschungelcamp wird die Deutschen verbinden, auf die eine oder andere Art. Wir werden zusammen lachen, wir werden zusammen leiden.

Lasst uns die nächsten zwei Wochen als Urlaub betrachten

Der Dschungel ist Spaß, grenzwertiger Nonsense. Und damit die Antithese zu Deutschland 2016. Genau das braucht unser Land. Die Erinnerung, dass es auch andere Dinge gibt als Asylregelungen und Sozial-Debatten.

Lasst uns die nächsten zwei Wochen als Urlaub betrachten. Ein paar Tage lang können wir dem Alltag entfliehen, den Kopf frei machen und ohne schlechtes Gewissen lästern.

Wie jeder Urlaub wird auch das Dschungelcamp vorbeigehen.

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