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14/01/2016 08:36 CET | Aktualisiert 14/01/2016 09:46 CET

Die Stadt Wien bringt Touristen und Obdachlose zusammen - von dem Ergebnis profitieren beide

Neil Farrin / robertharding via Getty Images
In Wien verdienen sich Obdachlose als Stadtführer etwas dazu.

Die Armut in Europa nimmt zu. Auch in den reichsten Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz leben immer mehr Menschen am Rande des Existenzminimums. Mit der steigenden Armut nimmt auch die Zahl der Obdachlosen in europäischen Metropolen zu.

Jede Stadt geht mit diesem Problem unterschiedlich gut um. Wien hat nun einen Weg gefunden, Menschen, die auf der Straße wohnen, sowohl eine Beschäftigung als auch ein Einkommen zu verschaffen. In der österreichischen Hauptstadt verdienen sich einige der rund 7100 Obdachlosen nun etwas dazu - als Stadtführer.

Wie die englischsprachige österreichische Nachrichtenseite “The Local” berichtet, steckt hinter der Initiative das Startup Shades Tour Vienna. Ins Leben gerufen hat sie die 32-jährige Österreicherin Perrine Schober.

Bei dieser Exkursion geht es um Information und Aufklärung über das Thema Obdachlosigkeit

Sie will Obdachlosen ermöglichen, die Stadt aus ihrer Perspektive zu zeigen; Touristen und auch Bewohnern von Wien eine Seite der Metropole zu offenbaren, die die meisten Menschen nie zu Gesicht bekommen. Die verborgene Seite von Wien gewissermaßen.

In der zweieinhalb-stündigen Tour führt der Guide die Teilnehmer jeweils an drei unterschiedliche soziale Einrichtungen, darunter die Wiener Tafel und die Kreativwerkstatt der Caritas, re_start.

obdachlose

Credit: Shades Tours _ Faruk Pinjo

“Bei dieser Exkursion geht es um Information und Aufklärung über das Thema Obdachlosigkeit. Bewusstseinsbildung und Abbau von Berührungsängsten stehen im Vordergrund”, schreibt das Team von Shades Tour Vienna auf seiner Website.

“Wir glauben, dass es zu viele falsche Stigmen und Vorurteile gegenüber obdachlosen Menschen gibt”, heißt es dort weiter. Diese Vorurteile seien oftmals schuld daran, dass die Re-Integration in den Arbeitsmarkt scheitere.

Bei der so genannten Social Active Day Tour haben Teilnehmer die Möglichkeit, in einer der besuchten Einrichtungen selbst aktiv mitzuwirken, zum Beispiel indem sie beim Kochen helfen oder handwerklich tätig werden.

Die reine Stadttour kostet pro Teilnehmer 15 Euro, für den ganzen Tag berechnet das Startup um die 50 Euro. Der Großteil der Einnahmen geht an die Guides, fünf Prozent davon stellt Schobers Team den teilnehmenden Sozialeinrichtungen zur Verfügung.

Ähnliche Projekte in Berlin, London, Hamburg und Kopenhagen

In einigen anderen europäischen Städten existieren bereits ähnliche Projekte. In Berlin beispielsweise wurde mit querstadtein 2013 eine vergleichbare Idee entwickelt. Das junge, 15-köpfige Team arbeitet derzeit daran, bald auch von Flüchtlingen geführte Touren anzubieten.

Die Idee setzt sich durch. Auch in Prag, London, Hamburg und Kopenhagen führen Obdachlose oder ehemalige Obdachlose schon seit Jahren Touristen durch ihre Viertel der Stadt.

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