LIFESTYLE
13/01/2016 10:02 CET | Aktualisiert 19/01/2018 18:55 CET

Nachts klingelt das Telefon. Als eine Mutter die Stimme hört, ist sie in Schockstarre

Wesley Hitt via Getty Images
Sie ruft ihre Mutter an.

Es ist drei Uhr morgens und plötzlich reißt einen das penetrante Klingeln des Telefons aus dem Schlaf. Man schreckt hoch und blickt verwirrt den ebenfalls aufgewachten Partner an. Der erste Gedanke ist: Es wird doch nichts Schlimmes passiert sein? Die Kinder...?

Genauso ging es dem Paar in dieser Geschichte, die sich gerade im Internet verbreitet. Ihren Ursprung hat sie auf dem Blog "Killer Fiction".

„Wir alle wissen wie es ist, wenn man mitten in der Nacht einen Anruf bekommt. Auch bei diesem Anruf war es nicht anders. Während ich durch das Läuten langsam aufwachte, warf ich einen Blick auf die rot leuchtenden Ziffern meines Weckers. Mitternacht. Panische Gedanken drangen in meinen schläfrigen Geist, als ich nach dem Hörer griff.

„Hallo?“

Mein Herz klopfte, ich hielt das Telefon fester und blickte zum meinem Ehemann, der sich auf meine Seite des Bettes drehte.

„Mama?“

Ich konnte das leise Wispern aus dem Hörer kaum wahrnehmen. Meine Gedanken drehten sich sofort um meine Tochter. Als der verzweifelte Klang der jungen, weinerlichen Stimme klarer wurde, fasste ich nach der Hand meines Mannes und drückte sie so fest ich konnte.

„Mama, ich weiß, dass es spät ist. Aber bitte, bitte sag nichts, bevor ich fertig erzählt habe. Und bevor du fragst, ja, ich habe getrunken. Ich wäre vor ein paar Kilometern fast von der Straße abgekommen...“

Ich atmete scharf ein, ließ meinen Ehemann los und presste meine Hand gegen meinen Kopf. Der Schlaf benebelte immer noch meine Gedanken und ich versuchte, meine Panik zu bekämpfen.

Etwas stimmte nicht.

„Und ich hatte Angst. Alles, was ich denken konnte, war, wie schmerzhaft es für dich sein würde, wenn ein Polizist zu dir kommen und sagen würde, ich wäre tot. Ich will ...nach Hause kommen. Ich weiß, dass es falsch war, wegzurennen. Ich weiß, du bist krank vor Sorge. Ich hätte dich schon vor Tagen anrufen sollen, aber ich hatte Angst... so viel Angst.“

Ein tiefes Schluchzen drang durch den Hörer und in mein Herz. Ich stellte mir das Gesicht meiner Tochter vor und meine nebligen Gedanken wurden klar. „Ich denke...“

„Nein! Bitte lass mich fertig erzählen! Bitte!“

Sie flehte, nicht aus Wut, sondern aus Verzweiflung. Ich schwieg und versuchte, meine Gedanken in Worte zu fassen. Bevor ich etwas sagen konnte, machte sie weiter:

„Ich bin schwanger, Mama. Ich weiß, ich sollte nichts trinken, vor allem jetzt nicht, aber ich habe so viel Angst, Mama.“ Die Stimme brach wieder und ich biss mir in die Lippen, während sich meine Augen mit Tränen füllten. Ich blickte zu meinem Ehemann, der still neben mir saß und mit den Lippen “Wer ist das?“ formte.

Ich schüttelte den Kopf und antwortete nicht, also sprang er auf und verließ den Raum. Sekunden später kam er mit unserem weiteren netzlosen Telefon am Ohr wieder zurück.

Sie musste das Klicken in der Leitung gehört haben, denn sie sagte:

„Bist du noch da? Bitte leg nicht auf. Ich brauche dich, ich fühle mich so allein.“ Ich umklammerte das Telefon und starrte hilfesuchend meinen Mann an. „Ich bin dran, ich werde nicht auflegen“, antwortete ich.

„Ich weiß, ich hätte dir das erzählen sollen, Mama. Aber wenn wir miteinander reden, sagst du mir nur immer, was ich zu tun habe. Du liest all diese Broschüren, die dir sagen, wie man über Sex reden sollte, aber immer nur du sprichst darüber. Du hörst mir nicht zu. Nie lässt du mich erzählen, wie ich mich fühle. Es ist so, als wären meine Gefühle nicht wichtig. Weil du meine Mutter bist, denkst du, du hättest alle Antworten. Aber manchmal brauche ich keine Antworten. Ich will nur jemanden, der mir zuhört.“

Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter und starte auf die Wie-du-mit-deinem Kind-reden-solltest-Broschüren auf meinem Nachttisch.

„Ich höre zu“, flüsterte ich.

„Weißt du, als ich auf der Straße das Auto wieder unter Kontrolle bekam, begann ich, über das Baby nachzudenken und darüber, dass ich mich darum kümmern sollte. Dann sah ich diese Telefonzelle und ich konnte dich in Gedanken predigen hören, dass man nicht trinken und fahren sollte. Also rief ich ein Taxi. Ich will nach Hause.“

„Das ist gut, mein Schatz“, sagte ich mit Erleichterung. Mein Ehemann kam näher, setzte sich neben mich und schlang seine Finger um meine Hand. Ich wusste aus der Berührung, dass er dachte, dass ich das Richtige tat und sagte. „Aber weißt du, ich denke, ich könnte jetzt selbst fahren.“

„Nein“, rief ich. Meine Muskeln wurden härter und ich hielt die Hand meines Mannes fester. „Bitte, warte auf das Taxi. Leg nicht auf, bis das Taxi kommt.“

„Ich will nur nach Hause kommen, Mama.“

„Ich weiß, aber tu das für deine Mutter. Warte bitte auf das Taxi.“ Ich lauschte mit Angst der darauf folgenden Stille. Als ich keine Antwort hörte, biss ich mir auf die Lippen und schloss die Augen. Ich musste sie irgendwie davon abhalten, zu fahren.

„Hier kommt das Taxi.“

Als ich dann jemand im Hintergrund von einem Taxi sprechen hörte, fiel endlich die ganze Anspannung von mir. „Ich komme nach Hause, Mama.“ Es klickte und das Telefon war still.

Mit Tränen in den Augen stieg ich aus dem Bett und lief über den Flur in das Zimmer meiner 16-jährigen Tochter. Dunkles Schweigen füllte den Raum. Mein Mann umarmte mich von hinten und legte sein Kinn auf meinen Kopf. Ich strich mir die Tränen von den Wangen.

„Wir müssen lernen zuzuhören“, sagte ich.

Er drehte mich zu sich herum. „Wir werden es lernen, du wirst sehen.“ Dann nahm er mich in die Arme und ich vergrub meinen Kopf in seinen Schultern. Er hielt mich so lange, bis ich mich aus seiner Umarmung löste und auf das Bett starrte. Er musterte mich und fragte: „Ob sie je herausfinden wird, dass sie die falsche Nummer gewählt hat?“

Ich warf einen Blick auf unsere schlafende Tochter und drehte mich dann zu ihm. „Vielleicht war es nicht die falsche Nummer.“

„Mama, Papa, was macht ihr hier?“

Eine junge, gedämpfte Stimme drang unter der Bettdecke hervor. Ich ging zu meiner Tochter, die sich aufgesetzt hatte und in die Dunkelheit starrte.

„Wir üben“, sagte ich. „Ihr übt was?“, murmelte sie und sank wieder zurück ins Bett, während sie die Augen schon wieder im Halbschlaf geschlossen hatte.

„Zuhören“, flüsterte ich und strich ihr mit der Hand über die Wange.“

Auch auf HuffPost:

Gespött bei Twitter: Mutter hätte besser nicht gefragt, wofür das Ding in der Dusche ihres Sohnes ist


Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.